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Richterspruch gegen Pell : Australien und das Geheimnis um ein Missbrauchsurteil

  • -Aktualisiert am

Kardinal Pell verlässt den Gerichtshof in Melbourne. Bild: AFP

Das Urteil gegen den ehemaligen Finanzchef des Vatikans, George Pell, wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern wurde schon im Dezember gesprochen. Doch warum erfährt die Öffentlichkeit das erst jetzt?

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          Der australische Kurienkardinal George Pell ist wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern schuldig gesprochen worden. Die Meldung darüber ratterte am Dienstag über alle Kanäle. Schließlich ist noch nie ein Funktionär der katholischen Kirche mit einem so hohen Rang für dieses Verbrechen verurteilt worden. Doch ein Detail an diesen Berichten konnte stutzig machen. Das Urteil gegen den ehemaligen Finanzchef des Vatikans war schon im Dezember gefällt worden. Dieser Dienstag war nur der erste Tag, an dem offen darüber berichtet werden konnte. Denn das Gericht im australischen Melbourne hatte an diesem Tag gar kein Urteil gesprochen, sondern nur eine Berichtssperre über den Prozess aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor mitgeteilt, dass sie einen geplanten zweiten Prozess gegen den Australier gegen den Finanzchef des Vatikans nicht weiter verfolgen werden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Man wird also niemandem etwas vorwerfen können, der von dem plötzlichen Missbrauchs-Urteil überrascht war. Über den seit Monaten laufenden Prozess im australischen Melbourne war bislang kaum etwas nach außen gedrungen. Der Grund war eine sogenannte „Suppression Order“ des Gerichts, die einen festen Platz in der justiziellen Tradition des Fünften Kontinents hat. Mit einer solchen richterlichen Anordnung wird der Presse quasi ein Maulkorb verpasst. Im Fall Pell hatte der Richter sogar verfügt, dass die Veröffentlichung „der ganzen, oder eines Teils dieser Prozesse, jeglicher Information, die aus diesen Prozessen stammen, und aller Gerichtsdokumente, die im Zusammenhang mit diesen Prozessen stehen“ verboten sei. Erlaubt sei lediglich der Hinweis, dass Pell des „historischen“ sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt sei, hieß es in der Anordnung vom 25. Juni 2018.  

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