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Algeriens Abschiebepolitik : Europas Bollwerk in Nordafrika

Abschiebung nach Süden: Algerische Polizisten bringen Flüchtlinge bis kurz vor die nigrische Grenze. Bild: dpa

Immer mehr Afrikaner versuchen, über Algerien nach Europa zu gelangen. Dort will Brüssel Aufnahmelager einrichten. Doch das Land verfolgt auch ohne europäische Hilfe schon eine rigide Flüchtlingspolitik – und setzt Menschen in der Wüste aus.

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          In der aktuellen Flüchtlingsdebatte blickt Europa mit Sorge nach Nordafrika. Dort sollen Flüchtlingszentren entstehen, um die Migration in Richtung Norden schon auf dem afrikanischen Kontinent besser zu kontrollieren und die auf dem Mittelmeer aufgegriffenen Flüchtlinge von dort zurückzuführen. Darauf verständigten sich die Regierungschef beim EU-Gipfel in Brüssel Ende Juni; und so steht es in Seehofers „Masterplan Migration“. Ägypten, Tunesien, Algerien und Marokko lehnen jedoch Aufnahmelager ab. Schon bestehende Migrationsberatungszentren der Bundesregierung in mehreren nord- und westafrikanischen Staaten, die den Strom nach Europa verringern sollen, verzeichnen bisher keine größeren Erfolge. Dabei kommt es auf Staaten wie Algerien an – das zeigt die Geschichte von Fabrice aus Kamerun. Er ist als Flüchtling in dem Land gestrandet und bangt um seine Abschiebung – ganz ohne das Zutun Europas.

          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Schon fast sein halbes Leben dauert seine Migration an. Der 48 Jahre alte Kameruner floh vor zwanzig Jahren aus seinem Heimatland in Richtung Norden. Weil es keine Arbeit und keine Perspektiven gab, sagt er. Über Nigeria und Niger ließ er sich nach Libyen schmuggeln, schon damals auf einem der großen Pick-ups, die unzählige Afrikaner durch die Sahara karren. In Libyen harrte er zwei Jahre aus, doch unter der Herrschaft Muammar al Gaddafis bot sich kaum ein Weg übers Mittelmeer. Also ging seine Odyssee weiter gen Westen, um möglicherweise von Marokko aus nach Europa übersetzen zu können. Doch so weit kam es nie. Fabrice ist in Algerien gestrandet.

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