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Chinas Einfluss in Australien : Laute Töne gegen die stille Invasion

Warnungen vor „antichinesischer Panik“: Aufführung in Sydney zur Feier des chinesischen Neujahrsfests am Montag. Bild: AFP

Dient Australien China als „Labor“, um Methoden der Einflussnahme zu testen? In Canberra regt sich Widerstand – Kritiker warnen aber vor Rassismus.

          6 Min.

          Der Titel des Werks spricht für sich. „Stille Invasion. Chinas Einfluss in Australien“ lautet der Titel des Buches übersetzt, das Anfang März in Australien erscheinen soll. Das lässt erahnen, dass darin nicht mit Kritik an Chinas Vorgehen gespart wird. In der Studie des Ethik-Professors Clive Hamilton geht es um die Einflussnahme chinesischer Akteure mit Verbindungen zur Kommunistischen Partei auf die Politik, Kultur und Wissenschaft Australiens. Schon vor seiner Veröffentlichung hat Hamiltons Werk einiges an Aufmerksamkeit bekommen. Aus Angst vor der Reaktion aus Peking hatte der Verlag Allen & Unwin die Veröffentlichung des Buches nämlich von sich aus zurückgezogen.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Der Fall von Selbstzensur und vorauseilendem Gehorsam hatte Empörung in Australien und darüber hinaus hervorgerufen. Er schien genau das widerzuspiegeln, was das Thema des Buches ist. Oder, andersherum gewendet: „Der Grund, aus dem drei Verlage sich weigerten, das Buch zu publizieren, ist genau der Grund, aus dem das Buch publiziert werden muss“, sagte der Autor laut einer Mitteilung seines neuen Verlags Hardie Grant. Dieser Verlag hatte sich schließlich bereit erklärt, die Studie nun doch noch herauszubringen. Mit der bevorstehenden Veröffentlichung erweist sich, dass Australien immerhin noch nicht völlig dem Diktat seines wichtigsten Handelspartners erlegen ist.

          Tatsächlich hat sich, was Chinas Einflussnahme betrifft, der Wind in Australien in den vergangenen Monaten sogar in einer Weise gedreht wie bisher in keinem anderen Land. Während in Europa und Amerika erst allmählich über Chinas „langen Arm“ gesprochen wird, diskutiert das Parlament in Canberra schon über ein Paket neuer Gesetze, das die Einflussnahme ausländischer Personen, Regierungen und Geheimdienste erschweren soll. Australien ist damit der erste Staat, der Konsequenzen aus der wachsenden Besorgnis über chinesische Einflussnahme zieht. Nach der Darstellung australischer Geheimdienste und Fachleute ist das auch kein Wunder. Sie glauben, dass Länder wie Australien und Neuseeland Peking als Laboratorien für seine Beeinflussungsversuche dienen.

          Die Regierung Malcolm Turnbulls hat sich an die Spitze der Gegenbewegung gestellt. Dabei dürfte sie auch versuchen, von ihrer eigenen Misere abzulenken und ihre Umfrageergebnisse zu verbessern. Aufsehen erregte der Premierminister und frühere Investmentbanker Turnbull, als er auf einer Pressekonferenz in einem Wahlkreis mit besonders vielen chinesischstämmigen Bürgern davon sprach, dass Australien sich „erhoben“ habe. Der Premier benutzte dabei in chinesischer Sprache eine Formulierung, die meist (fälschlich) Mao zugeschrieben wird und in ihrer ursprünglichen Form als die Gründungsparole der Volksrepublik China gilt.

          Übergriffe auf Chinesen gab es schon

          Angesichts dieser Mao-Bezugnahme war klar, dass die Kritik aus Peking nicht lange auf sich warten lassen würde. Dort wirft man den Australiern unter anderem vor, Vorurteilen und sogar Rassismus Vorschub zu leisten. Chinesische Internetnutzer sollen Australien mittlerweile zu dem Land gekürt haben, das im Jahr 2017 ihrer Heimat gegenüber das am wenigsten freundlich eingestellte gewesen sei. Die chinesische Botschaft in Sydney und das Konsulat in Melbourne warnten ihre Landsleute in Australien vor möglichen körperlichen Attacken. Tatsächlich soll es auch schon Übergriffe auf Chinesen gegeben haben. Die Hintergründe sind allerdings einigermaßen unklar.

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