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Die WHO und Taiwan : Zähneknirschendes Lob aus Genf

Soldaten der taiwanesischen Armee sprühen während einer Übung in Taipeh Desinfektionsmittel. Bild: dpa

Die WHO tut sich seit Jahren schwer mit Taiwan. An den rhetorischen Verrenkungen der Funktionäre zeigt sich Chinas Einfluss. Warum gibt es nun doch überraschend Lob für Taiwans Corona-Maßnahmen?

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          Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) tut sich seit Jahren schwer mit Taiwan. Es gibt kaum ein Thema, an dem sich Chinas Einfluss deutlicher ablesen lässt als an den rhetorischen Verrenkungen, die WHO-Funktionäre unternehmen, um Taiwan nicht als Land zu bezeichnen oder in anderer Weise aufzuwerten. Doch am Freitag machte Michael Ryan eine Ausnahme. Der WHO-Nothilfedirektor sagte, die taiwanischen Gesundheitsbehörden „verdienen Lob“. Sie hätten „sehr gut“ auf die Verbreitung des neuen Coronavirus reagiert. Das lasse sich an den niedrigen Infektionszahlen ablesen. Michael Ryan war offensichtlich bemüht, der internationalen Kritik an der überbordenden China-Freundlichkeit der WHO die Spitze zu nehmen.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Das zähneknirschende Lob aus Genf war aber auch das Ergebnis geschickter taiwanischer Diplomatie und der Tatsache, dass Taiwan die Pandemie trotz der Nähe zum chinesischen Festland bisher bemerkenswert gut überstanden hat. Präsidentin Tsai Ing-wen ist es, sehr zum Ärger Pekings, gelungen, das internationale Profil ihres Landes in der Krise erheblich zu schärfen. Auch mit Hilfe Donald Trumps. Der schrieb auf Twitter: „Warum hat die WHO Ende Dezember eine E-Mail taiwanischer Gesundheitsbehörden ignoriert, in der vor der Möglichkeit einer Übertragung des Coronavirus zwischen Menschen gewarnt wurde?“

          China verhindert Beobachterstatus Taiwans

          Einen solchen Vorwurf hatte Taipeh schon im März in einem Interview mit der „Financial Times“ gegenüber der WHO erhoben. Mit dem Verweis auf die frühe Warnung will Taiwan unterstreichen, dass es einen wichtigen Beitrag zur Weltgesundheit leisten könne, wenn es denn dürfe. China, das Taiwan als Teil seines eigenen Territoriums betrachtet, verhindert jedoch, dass der Insel ein Beobachterstatus oder gar eine Mitgliedschaft in der WHO zugestanden wird. Die von Trump erwähnte E-Mail liest sich allerdings weniger eindeutig, als von Taiwan dargestellt.

          „Medienquellen von heute deuten darauf hin, dass mindestens sieben Fälle atypischer Lungenentzündungen in Wuhan, China, registriert wurden. Deren Gesundheitsbehörden erklärten gegenüber den Medien, dass man glaube, es handle sich bei den Fällen nicht um Sars. Die Proben werden aber noch untersucht, und die Fälle wurden zur Behandlung isoliert.“ Der letzte Halbsatz hätte bei jedem Experten Alarmglocken schrillen lassen müssen, argumentiert Taipeh. Bei der WHO sieht man das anders.

          Frühes und entschiedenes Handeln

          Taiwan selbst nahm die Warnsignale jedenfalls ernst und begann am selben Tag damit, Passagiere aus Wuhan noch im Flugzeug auf Symptome zu untersuchen. Das frühe und entschiedene Handeln ist einer der wichtigsten Gründe dafür, dass in Taiwan bislang nur 398 Infektionen registriert wurden, obwohl Hunderttausende Taiwaner auf dem Festland arbeiten. Keine andere Regierung in der Region hat allerdings so sensible Antennen für das, was in China passiert.

          Für die WHO ist Taiwan ein diplomatisches Minenfeld. Das demonstrierte WHO-Generaldirektor Bruce Aylward in einem Interview mit dem Hongkonger Sender RTHK. Auf die Frage nach Taiwans Erfolgen im Kampf gegen Covid-19 sagte Aylward, anders als Michael Ryan, „wir haben doch schon über China gesprochen“. Als die Journalistin wissen wollte, ob die WHO „eine Mitgliedschaft Taiwans überdenken werde“, gab Aylward erst vor, die Frage nicht verstanden zu haben und legte dann auf. Hongkongs Regierung warf dem Sender deshalb einen Verstoß gegen die Ein-China-Politik vor.

          Keine Angst vor der Reaktion Pekings zeigte hingegen EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen, die Taiwan kürzlich auf Twitter für die Bereitstellung von 5,6 Millionen Schutzmasken dankte. Taiwan ist nach China der zweitgrößte Hersteller solcher Masken und propagiert eigene Spenden nun als demokratische Alternative zur Pekinger Masken-Diplomatie.

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