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Schweizer Whistleblower : Whistleblower Falciani kurzzeitig festgenommen

Enttarnte Tausende Steuerhinterzieher: Hervé Falciani Bild: dpa

Er schaufelte mit am Grab des Schweizer Bankgeheimnisses: Nun wurde der frühere Mitarbeiter der HSBC-Bank vorübergehend in Madrid festgenommen. Falcianis Fall hat auch mit dem Katalonien-Konflikt zu tun.

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          Die spanische Polizei hat nach einem Schweizer Auslieferungsantrag Hervé Falciani in Madrid festgenommen, am Donnerstagnachmittag aber gegen Kaution freigelassen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der 46 Jahre alte Informatiker hatte im Jahr 2007 Kontodaten von etwa 100.000 Kunden der Genfer Niederlassung der britischen HSBC-Bank an Regierungen in aller Welt weitergegeben. Damit lieferte der ehemalige Groupier Tausende Steuerhinterzieher den Finanzbehörden ans Messer und schaufelte mit am Grab des Schweizer Bankgeheimnisses. In Summe dürften dem Fiskus von Länder wie Spanien oder Frankreich mehrere hundert Millionen Euro zugeflossen sein.

          Allerdings hatte Falciana anfangs noch ganz schnöde versucht, den Datenschatz zu verkaufen. Trotzdem inszenierte er sich später als Robin Hood des steuerehrlichen Bürgers. Die Schweizer Justiz hält ihn hingegen für einen Kriminellen. Das Schweizer  Bundesstrafgericht in Bellinzona verurteilte den italienisch-französischen Doppelbürger im November 2015 wegen Wirtschaftsspionage zu fünf Jahren Haft. Von weiteren Vorwürfen, wie der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen, sprach ihn das Gericht damals aber frei.

          Gefangenenaustausch mit der Schweiz?

          Falciani war dem Gerichtsprozess ferngeblieben und hat seine Haftstrafe nie angetreten. Er lebte damals in Frankreich, von wo er keine Auslieferung fürchten musste. Auch in Spanien fühlte er sich offensichtlich sicher. Schließlich war Falciani vor sechs Jahren schon einmal in Barcelona festgenommen worden, aber nicht an die Schweiz ausgeliefert worden. Damals lehnte der Oberste Gerichtshof in Madrid die Überstellung ab, weil er die gestohlenen Daten in keiner Weise für schützenswert hielt. Doch nun wurde Falciani in Madrid auf offener Straße festgenommen, als er auf dem Weg zu einer Konferenz in einer Universität war.

          Der Fall erregt in Spanien größere Aufmerksamkeit, weil er indirekt mit dem Katalonien-Konflikt verknüpft wird. Die spanischen Behörden verlangen von der Schweiz, zwei prominente katalanische Separatistinnen auszuliefern, die in der Eidgenossenschaft untergeschlüpft sind. Eine von ihnen ist in Spanien wegen „Rebellion“ angeklagt. Anders als der ebenfalls angeklagte frühere Regierungschef Carles Puigdemont, der in Deutschland in Auslieferungshaft sitzt, sind die beiden Katalaninnen in der Schweiz aber bisher auf freiem Fuß.

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