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Whistleblower auf der Flucht : „Snowden ist an einem sicheren Ort“

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Im Flieger nach Havanna saß Snowden nicht. Dutzende Reporter warteten vergebens auf ihn. Bild: dpa

Der von Amerika gesuchte Informant Edward Snowden soll Moskau wieder verlassen haben. Aber in der Maschine nach Kuba saß er nicht. Die Enthüllungsplattform Wikileaks teilte mit, Snowden sei gesund und in Sicherheit. Bloß wo?

          Die Spur des von Amerika gesuchten Whistleblowers Edward Snowden hat sich am Montag verloren. Snowden, der früher für den amerikanischen Geheimdienst gearbeitet hatte und vor kurzem umfangreiche Überwachungsprogramme westlicher Regierungen aufdeckte, war am Sonntag aus seinem selbstgewählten Exil in Hongkong nach Moskau geflogen. Wo er sich derzeit aufhält, ist unklar.

          Ursprünglich hatte es geheißen, dass Snowden am Montag mit einer russischen Passagiermaschine vom Moskauer Flughafen Scheremetjewo nach Havanna und von dort weiter nach Venezuela oder Ecuador fliegen wolle. Etwa 30 Reporter kauften ebenfalls Tickets für den Flug von Moskau nach Havanna, um Snowden auf der Flucht um die halbe Welt zu interviewen; sie konnten diesen in der Maschine aber nicht entdecken.

          Amerika droht mit Konsequenzen

          Anonyme Gewährsleute sorgten mit widersprüchlichen Auskünften für Verwirrung, denen zufolge Snowden Russland unbemerkt in einem anderen Flugzeug verlassen habe oder sich noch immer im Transitbereich von Scheremetjewo aufhalte. Der Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange verkündete am Montag, Snowden sei gesund und befinde sich „in Sicherheit“. Assange äußerte sich jedoch nicht zum Verbleib des 30 Jahre alten Whistleblowers.

          Amerika forderte von Russland Snowdens Auslieferung und drohte mit Konsequenzen, falls Moskau das ablehne. Aus russischen Polizeikreisen verlautete, es gebe nicht einmal eine Handhabe, Snowden festzuhalten, weil dieser von Interpol nicht zur internationalen Fahndung ausgeschrieben worden sei und zudem die russische Grenze nicht überschritten habe, sondern sich im Transitbereich des Flughafens aufhalte. Am Abend wurde überraschend der Eingang eines amerikanischen Auslieferungsantrags in Moskau bestätigt, dessen Prüfung Russland umgehend zusagte.

          Präsident Putin hatte dieser Tage zu den Enthüllungen Snowdens über die digitale Ausspähungspraxis des amerikanischen Geheimdienstes NSA gesagt, jeder wisse, dass Geheimdienste im Kampf gegen den internationalen Terrorismus Bürger und Organisationen ausspähten. Dabei müssten sie aber von der Gesellschaft kontrolliert werden und dürften den von Gerichten vorgegebenen Rahmen nicht überschreiten.

          Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses in der Duma, Aleksej Puschkow, sagte, Snowden, der Rechtsverletzungen des NSA aufgedeckt habe, sei ein Bürgerrechtler, dem in Russland politisches Asyl gewährt werden solle. Der bekannte Fachmann für russische Außenpolitik, Fjedor Lukjanow, sagte am Montag, er befürchte nur dann eine Verschlechterung der Beziehungen mit Amerika, wenn Snowden in Russland bleibe.

          In den Medien wurde vor allem über eine Weiterreise Snowdens nach Ecuador spekuliert. Der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño hatte am Sonntag über den Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt, dass Snowden in seinem Land einen Asylantrag gestellt habe. Die Vereinigten Staaten appellierten an die Regierung in Quito, den Antrag abzulehnen. Der amerikanische Außenminister John Kerry sagte, er wisse nichts über die Reisepläne Snowdens. Sehr beunruhigend wäre aber, wenn Russland oder China darüber informiert wären.

          Ecuador gewährt auch Wikileaks-Gründer Julian Assange politisches Asyl, der diplomatische Geheimdokumente etwa über die Rolle Amerikas in den Kriegen im Irak und in Afghanistan veröffentlicht hatte. Assange sitzt seit über einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Auch er fürchtet die Auslieferung in die Vereinigten Staaten.

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