https://www.faz.net/-gpf-u5r8

Wettrüsten im Weltraum? : Verwundbare Satelliten

  • Aktualisiert am

Haben Chinas Generäle die Diplomaten vor vollendete Tatsachen gestellt? Bild: dpa

Der Abschuss eines ausrangierten Wettersatelliten ist die größte militärische Machtdemonstration Chinas seit langem. Bedroht sind nun auch amerikanische Spionagesatelliten. Nikolas Busse erklärt, warum im Weltraum ein Sicherheitsproblem entsteht.

          2 Min.

          Im Ausland, vor allem in den Vereinigten Staaten, werden sich die Verteidigungsministerien sehr gründlich mit dem chinesischen Abschuss befassen. Er ist die größte militärische Machtdemonstration Chinas seit langem und verdeutlicht, dass die kommende Weltmacht sich intensiv mit einem der potentiell größten Sicherheitsprobleme der Zukunft befasst - der Militarisierung des Weltraums.

          Bisher hatte sich nur die amerikanische Regierung ausführliche Gedanken über dieses Thema gemacht, das offiziell in der Sicherheitspolitik noch keine Rolle spielt: Rüstung im All ist tabu, kein Land unterhält derzeit Waffensysteme außerhalb der Erdatmosphäre.

          Äußerst nützliche militärische Fähigkeit

          Nur zwei Länder haben bisher Raumfahrzeuge in Anti-Satelliten-Tests zerstört, und das ist lange her. Die Sowjetunion unternahm von Ende der sechziger bis Anfang der achtziger Jahre ein Dutzend solcher Tests, die Vereinigten Staaten die letzten in den Jahren 1985 und 1986.

          Kein Zweifel besteht allerdings daran, dass die Chinesen mit dem erfolgreichen Test eine äußerst nützliche militärische Fähigkeit erworben haben. Der ausrangierte Wettersatellit wurde in einer Umlaufhöhe von etwa 850 Kilometern abgeschossen. Die amerikanischen Spionagesatelliten fliegen niedriger, so dass China nun eine Möglichkeit besitzt, diese auszuschalten.

          Amerikanische Fachleute waren sich am Freitag zunächst nicht einig, welche Motivation hinter dem chinesischen Schritt steckt. Einige vermuteten eine offensive Zielsetzung, die auf lange Sicht in ein Wettrüsten mit Anti-Satelliten-Waffen münden könnte. Andere hielten es für möglich, dass Peking mit dem Abschuss Amerika zu Verhandlungen über ein Verbot der Weltraumrüstung bewegen will. China und Russland setzen sich seit längerem dafür ein, weil sie so offenbar verhindern wollen, dass Amerika sich auf diesem Gebiet einen Vorteil verschafft.

          Amerikanische Militärstrategie für das All

          Tatsächlich denkt die amerikanische Regierung schon seit längerem über Weltraumwaffen nach. Der frühere Verteidigungsminister Rumsfeld hatte schon im Mai 2001 eine amerikanische Militärstrategie für das All gefordert. Er schlug unter anderem vor, Waffensysteme zu entwickeln, die amerikanische Satelliten gegen Angriffe schützen können. Im vergangenen August stellte Präsident Bush eine neue nationale Weltraumpolitik vor, in der sich die amerikanische Regierung das Recht vorbehielt, gegnerischen Staaten auch im Weltall entgegenzutreten, wenn amerikanische Interessen in Gefahr seien.

          Vergangenes Jahr wurde im Kongress außerdem bekannt, dass das Pentagon offenbar an einer bodengestützten Laserwaffe arbeitet, die gegen feindliche Satelliten eingesetzt werden kann. Die "New York Times" berichtete, dieses Projekt sei anscheinend Teil von Bemühungen, sowohl offensive als auch defensive Waffen für den Einsatz im All zu entwickeln.

          Das wachsende Interesse der Großmächte an der Weltraumrüstung dürfte mit der überragenden Bedeutung des Alls für die militärische wie zivile Kommunikation zusammenhängen. So sind zum Beispiel moderne Präzisionsbomben oder eine netzwerkbasierte Einsatzführung ohne Satelliten nicht nutzbar. Hinzu kommen die vielen kommerziellen Satelliten, die von Unternehmen und Privathaushalten zur Datenübertragung verwendet werden. Ortungssysteme wie das amerikanische GPS oder das im Aufbau befindliche europäische System Galileo funktionieren nur mit einer Vielzahl von Satelliten. Deshalb dürfte das Bedürfnis wachsen, diese künftig genauso militärisch zu schützen wie das Territorium eines Staates.

          Weitere Themen

          Eine Stadt steht unter Schock

          Heftige Explosion in Beirut : Eine Stadt steht unter Schock

          Eine gewaltige Explosion in Beirut fordert zahlreiche Menschenleben, mehr als 2750 Personen werden verletzt. Auslöser der Detonation war eine enorme Menge Ammoniumnitrat, die ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Hafenlager aufbewahrt wurde.

          Topmeldungen

          Ein Soldat des libanesischen Militärs schaut auf den Ort der Explosion in Beiruts Hafen

          Libanon : Mehr als 70 Tote und 3000 Verletzte bei Explosion in Beirut

          Der Libanon steckt derzeit in einer seiner schwersten Krisen seit Jahrzehnten. Mitten in diesen politischen Turbulenzen kommt es am Hafen von Beirut zu einer gewaltigen Explosion. Verantwortlich gewesen sein könnte eine Lagerhalle mit Ammoniumnitrat sein.
          SPD-Politiker Kevin Kühnert

          SPD-Führung : Kühnert auf dem Weg

          Kevin Kühnerts Ziel, der Bundestag, ist der beste Weg, um die SPD-Führung weiter rutschen zu lassen. In wessen Richtung? Dumme Frage.
          Noch eine reine Idylle, soll sie bald für den nächsten „Mission: Impossible“-Teil von Tom Cruise in die Luft gesprengt werden: Die majestätisch in dreißig Metern Höhe über den Bober schwingende Stahlfachwerkbrücke des Ingenieurs Otto Intze von 1905.

          Cruise bedroht Brücke : Was die Wehrmacht nicht schaffte

          Mission: Unmöglich! Tom Cruise will für seinen neuen Film eines der schönsten Brückenmonumente Polens sprengen. Wenn er damit durchkommt, wäre das ein Skandal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.