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Westerwelle in Afghanistan und Pakistan : Nebel und andere Widrigkeiten

  • -Aktualisiert am

Diplomatischer Trick: Außenminister Westerwelle lobt das gute Verhältnis zu seinem Kollegen Rassoul (r.) Bild: AFP

In klapprigen Bussen musste Außenminister Westerwelle nach Islamabad reisen - es blieb nicht die einzige Hürde, die es in Pakistan und Afghanistan zu nehmen galt. Auch in den politischen Gesprächen galt es, den richtigen Ton zu treffen.

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          Guido Westerwelle benutzt einen alten diplomatischen Trick. Er steht im Außenministerium in Kabul neben seinem Kollegen Zalmay Rassoul und lobt das „kollegiale, ja freundschaftliche“ Verhältnis zwischen beiden. Es ist kalt im Saal, in Kabul wird auch im Januar nicht geheizt. Rassoul schaut auf und lächelt ein wenig gequält. Womöglich weiß er, was nun folgt. Das Verhältnis sei so gut, fährt Westerwelle fort, „dass es auch möglich ist, Fragen zum Minderheitenschutz oder zur guten Regierungsführung anzusprechen“.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Jeder im Saal versteht, was gemeint ist. Der „Fortschrittsbericht“ der Bundesregierung zum Afghanistan-Einsatz hält nämlich fest, dass es bei der Korruptionsbekämpfung im Land keinen Fortschritt gibt. Rassoul gibt später zu, dass das Problem bestehe; es sei ein „wichtiger Punkt“, die Korruption in der öffentlichen Verwaltung zu bekämpfen. Auch im Gespräch mit Präsident Hamid Karzai spricht Westerwelle das Thema Korruption offen an, wie auch die Themen Rauschgiftbekämpfung und Minderheitenschutz.

          Westerwelle in der Rolle des Reisegruppenleiters

          Besonders interessiert die Afghanen indes die sogenannte Abzugsperspektive und die Frage, wie dauerhaft das deutsche Engagement am Hindukusch ist. Westerwelle wird nicht müde zu erklären, dass es zwar einen „klaren Fahrplan“ gebe, jedoch das deutsche Engagement nicht ende, auch wenn Ende 2014 alle deutschen Kampftruppen aus dem Land abgezogen seien. Im Übrigen rechne er mit einer „sehr großen Mehrheit im Bundestag“ für das neue Isaf-Mandat. Mit diesem Bekenntnis spricht er nicht nur die afghanische Öffentlichkeit an, sondern nimmt sowohl Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in die Pflicht, der stets die Einschränkungen des Mandatsentwurfs hervorhebt, als auch die Sozialdemokraten, denen noch mehr Eindeutigkeit lieber wäre.

          Offene Gespräch: Mit Präsident Karzai (r.) unterhielt Westerwelle auch über Minderheitenschutz
          Offene Gespräch: Mit Präsident Karzai (r.) unterhielt Westerwelle auch über Minderheitenschutz : Bild: dpa

          Es ist Sonntagnachmittag, und der Außenminister hat einen wahren Höllentrip hinter sich, wobei der Anflug auf Kabul in der Transall-Maschine noch zu den angenehmeren Seiten der Reise gehörte. Dichter Nebel in Islamabad hatte das Programm des Ministers von Beginn an durcheinandergebracht. Am Samstagmorgen konnte Westerwelles Flugzeug nicht in der Hauptstadt landen und musste ins 360 Kilometer südlich gelegene Lahore ausweichen. Das hatte eine sechsstündige Fahrt in einer Kolonne klappriger Toyota-Busse zur Folge.

          Gegenüber der Delegation machte Westerwelle das Beste aus dem Schlamassel und schlüpfte in die Rolle des Reisegruppenleiters. Als solcher hielt er die Truppe bei Laune, auch als er feststellen musste, dass in den Tüten, in denen eigentlich Snacks sein sollten, nur Wasserflaschen waren, und die Busfahrer, die eilig aufgetrieben werden mussten, mit pakistanischer Gelassenheit die politische Prominenz im Fahrzeug ignorierten und ihre Fahrzeuge einfach anhielten, etwa wenn sie am Straßenrand Zigaretten kaufen wollten.

          Missverständnisse beseitigen

          Schwieriger war es, das fein austarierte Programm in Islamabad in den verkürzten Zeitplan zu pressen, ohne protokollarische Fehler zu begehen. So telefonierte Westerwelle noch im Bus zweimal mit seinem pakistanischen Kollegen Schah Mahmud Qureshi, der sich einerseits für die widrigen Anreisebedingungen entschuldigte, andererseits aber zu verstehen gab, er wolle Westerwelle unbedingt noch heute sehen, was auch hieß: Das Treffen mit dem Armeechef in Rawalpindi könne ja verschoben werden. Westerwelle wusste, warum er genau das vermeiden wollte.

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