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Westen und Meinungsfreiheit : Die freie Welt legt sich selbst einen Maulkorb an

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In einem Steckbrief des Schauspielers Rami Malek brachte eine Zeitschrift kürzlich folgende Zusammenfassung seiner Twitter-Aktivitäten: „Lobte die bisexuelle Aktivistin Emma Gonzales und die zu aktiven Gegnern der Waffengesetze gewordenen Parkland-Überlebenden; dankte Christine Blasey Ford für ,die Stärke und den Mut', die sie vor dem Kongress bewiesen hat; rief zu Spenden an die ACLU auf“. Das einzige, was fehlte, war ein nachdenkliches Selfie des rehäugigen Stars mit einem Schild und der Bitte an Boko Haram: #BringBackOurGirls. Die demonstrative Schaustellung von Personalpronomen in den Social-Media-Profilen von Leuten, die nicht transgender sind, ist inzwischen ein modernes Äquivalent zu dem von Havel beklagten Spruchband mit der Aufschrift: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“

Auf die Frage, warum er bereit war, für die Satanischen Verse alles zu riskieren, antwortete Rushdie: „Das Problem ist bedeutender als mein Buch oder mein Leben.“ Eine Gesellschaft, in der wir gedrängt oder gezwungen werden zu verschweigen, was wir glauben oder gedankenlos Dinge nachzuplappern, die wir nicht glauben, hat keinen Wert. Wir sind es uns schuldig, von Rushdie zu lernen und seinen Mut in unserem alltäglichen Leben zu ehren. Die Bedrohung der Meinungsfreiheit kommt nicht nur in Gestalt mörderischer Valentinsgeschenke daher. Sie liegt auch in dem, was wir uns selbst antun.

James Kirchick ist amerikanischer Journalist und Mitglied der Brookings Institution in Washington. Dieser Text ist im amerikanischen Original zuerst in der Zeitung „Washington Examiner“ erschienen. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Michael Bischoff.

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