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Westafrika : Tuareg-Rebellen und Islamisten in Mali fusionieren

  • -Aktualisiert am

Mali mit den von den Tuareg beanspruchten nordöstlichen Gebieten Bild: F.A.Z.

Die radikale islamistische Bewegung „Ansar al Din“ und Tuareg-Rebellen haben im Norden Malis ihre Vereinigung bekannt gegeben und die Schaffung eines „islamischen Staates“ angekündigt. Die malische Übergangsregierung nannte das Vorhaben „absurd“.

          Im Norden Malis haben die radikale islamistische Bewegung „Ansar al Din“ und die Tuareg-Rebellen des „ Mouvement national de libération de L’Azawad“ (MNLA) ihre Fusion bekanntgegeben. Vorangegangen war ein Treffen zwischen den Tuareg-Rebellen und Ansar al Din in der Wüstenstadt Gao. Demnach vereinbarten beide Gruppen die Schaffung eines Übergangsrates bis zur endgültigen Verschmelzung und kündigten an, die Region Azawad, das traditionelle Siedlungsgebiet der malischen Tuareg, zu einem „islamischen Staat“ zu machen. Ein Sprecher der malischen Übergangsregierung bezeichnete die Schaffung eines islamischen Staates auf malischem Territorium als „absurd“.

          Der burkinische Außenminister Djibrill Bassolé konnte dem Zusammenschluss der beiden großen bewaffneten Gruppen gleichwohl eine positive Seite abgewinnen: Es sei einfacher, mit einer Partei eine Verhandlungslösung zu finden als mit zwei Parteien, sagte Bassolé in Ougadougou. Burkina Faso versucht im Auftrag der westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (Ecowas) gegenwärtig mit den Rebellen im Norden Malis ins Gespräch zu kommen. Auch das Nachbarland Algerien plädiert für eine „Lösung am Verhandlungstisch“.

          Vordergründig haben sie wenig gemein

          Der Zusammenschluss der beiden Gruppen kommt überraschend, weil sie vordergründig wenig gemein haben. Ansar al Din ist eine radikale islamistische Bewegung mit engen Kontakten zur Terrorgruppe „Al Qaida im islamischen Maghreb“ (Aqim). Die MNLA wiederum hat stets betont, eine laizistische Bewegung zu sein, der es nicht um religiöse Fragen geht, sondern lediglich um die Unabhängigkeit von Azawad. Die MNLA, der von Tuareg gegründet wurde, die zuvor in der libyschen Armee gedient hatten, war im Verlaufe des Krieges aber gegenüber den Islamisten ins Hintertreffen geraten und von diesen aus zwei großen Städten - Timbuktu und Gao - verjagt worden.

          Die Stärke der bis zu Beginn der Kämpfe im Januar völlig unbekannten Bewegung Ansar al Din beruht auf deren Zusammenarbeit mit Aqim. So scheinen sich die Islamisten nach dem Sturz des libyschen Staatschefs Gaddafi in Libyen mit schweren Waffen eingedeckt zu haben. „Ansar al Din schluckt die MNLA und nicht umgekehrt“, beschrieb der malische Politologe Issa Touré am Montag die Fusion.

          Am Montag war zudem bekannt geworden, dass es Aqim offenbar gelungen ist, ein unterirdisches Waffen- und Munitionslager der regulären malischen Armee in Gao zu plündern. Über den Umfang der dort gelagerten Waffen wurden keine Angaben gemacht. Die Nachrichtenagentur AFP aber zitierte einen malischen Armeeoffizier mit der Aussage, dass Aqim nunmehr besser ausgerüstet sei als die „Armeen von Mali und Burkina Faso zusammengenommen“. Das Depot war in Erwartung eines langen Krieges gegen die Tuareg offenbar erst vor einigen Monaten angelegt worden.

          Die malische Armee ist vor allem damit beschäftigt, ihren politischen Einfluss in der Hauptstadt Bamako zu sichern. Dort regiert eine Übergangsregierung, die drei Wochen nach dem Militärputsch im März eingesetzt worden war und deren Einfluss kaum über die Hauptstadt hinausreicht. Der Grund für den Putsch im März war die Unzufriedenheit der Armee mit der Handhabung der Krise im Norden durch die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré gewesen, wo seit Januar ein Krieg mit den Tuareg und den Islamisten tobte. Unmittelbar nach dem Putsch hatte die malische Armee alle ihre Positionen im Norden verlassen und den angreifenden Islamisten damit Tür und Tor geöffnet. Inzwischen ist die Stadt Timbuktu so etwas wie ein Hauptquartier für die Terroristen von Aqim geworden. Drei von vier bekannten Aqim-Führern haben sich dort niedergelassen. Aqim soll mit Ansar al Din verabredet haben, in den besetzten Gebieten so schnell wie möglich die islamische Rechtsprechung Scharia einzuführen.

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