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Ansehen der türkischen Armee : Von Kriegern und Märtyrern

Von klein auf lernen Schüler die Redewendung, dass der einzige Freund eines Türken ein anderer Türke sei. Bild: Reuters

Ab dem Schulalter lernen Türken lediglich auf die eigene Nation zu vertrauen. Und weil der Kampf gegen die kurdische Terrororganisation PKK seit 1984 etwa 40.000 türkischen Soldaten das Leben gekostet hat, gibt es in vielen Familien einen realen Bezugspunkt.

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          Was außerhalb der Türkei in den vergangenen Wochen für große Aufregung gesorgt hat, war für viele Türken ein selbstverständliches Verhalten: dass türkische Fußballspieler bei Länderspielen auf dem Rasen militärisch salutierten, um die Armee bei der Offensive im Norden Syriens zu unterstützen. Die Identifizierung mit den Ideen des türkischen Nationalismus und den Streitkräften beginnt schon sehr früh: Schüler stellen sich zu Wochenbeginn am Montag und dann wieder am Freitag in einer militärischen Formation auf dem Schulhof auf und singen die türkische Nationalhymne. Die erklingt auch vor jedem Fußballspiel in den Stadien. Von klein auf lernen die Schüler die Redewendung, dass der einzige Freund eines Türken ein anderer Türke sei.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Mit keiner anderen Institution ihres Landes identifizieren sich die Türken so sehr wie mit ihren Streitkräften, den Türk Silah Kuvvetleri (TSK). Wer an erfolgreichen Kriegen, wie dem in Korea 1952 oder dem Einmarsch 1974 auf Zypern, teilgenommen hat, darf sich mit dem Ehrentitel „Gazi“ schmücken, also Krieger im Dienste einer guten Sache – was auch die Religion sein kann. Atatürk war der Erste, der diesen Ehrentitel verliehen bekam. Denn die Türken haben den Sieg im Unabhängigkeitskrieg Atatürk und seiner Armee zu verdanken. Der Krieg dauerte vier Jahre, von 1919 bis 1923, und er fand mit der Errichtung der Republik Türkei in ihren heutigen Grenzen seinen Abschluss. Eine Mehrheit der Türken hatte daher die Militärputsche der Jahre 1960, 1971 und 1980 zunächst gutgeheißen. Anders war es erst beim gescheiterten Putschversuch vom 16. Juli 2016, der dem Ansehen der Armee jedoch nicht dauerhaft geschadet hat.

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