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Impfen auf dem Balkan : Nachbarhilfe mit Hintergedanken

Das Gegenteil von Impfgegnern: Am Samstag forderten Demonstranten in Sarajevo, schneller geimpft zu werden. Bild: AP

Die EU will mit der Lieferung von Impfstoff im westlichen Balkan Sympathien zurückgewinnen sowie russischen und chinesischen Einfluss zurückdrängen. Und auch Österreich koordiniert die Hilfsaktion aus eigenem Interesse.

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          Am vergangenen Samstag kam es in Sarajevo zu einem bemerkenswerten Protest gegen die Corona-Politik der bosnischen Regierung. Zunächst blockierten Autofahrer den Bahnhofsplatz der Stadt, dann forderte die Menge vor dem Parlamentsgebäude den Rücktritt der Regierenden. Auf der „Corona-Demonstration“ in der Hauptstadt von Bosnien-Hercegovina gingen allerdings nicht Verschwörungsgläubige, Corona-Leugner, Impfgegner und ähnliche Wirrköpfe auf die Straßen, sondern deren Antipoden: Demonstriert wurde, nicht zum ersten Mal, für die schnellere Beschaffung von Impfstoffen respektive gegen das als kläglich empfundene Agieren der Verantwortlichen im Lande, da es in Bosnien aus Mangel an Vakzinen selbst älteren Menschen bisher kaum möglich ist, sich impfen zu lassen.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.
          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Nun ist jedoch zumindest ein wenig Abhilfe in Sicht. Zwischen Anfang Mai und Ende August will die EU den Ländern des Westbalkans insgesamt 651.000 Dosen Impfstoff von Biontech/Pfizer zur Verfügung stellen. Das hatte Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg am Montag in Wien mitgeteilt. Davon sind 36.000 Dosen für das bereits gut versorgte Serbien vorgesehen, 214.000 für das bevölkerungsmäßig gut um die Hälfte kleinere Bosnien. Albanien soll 145.000, Nordmazedonien 119.000, Kosovo 95.000 und Montenegro 42.000 Dosen erhalten. Grundlage des Verteilungsschlüssels ist die bisherige Impfquote der Länder.

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