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Corona-Cluster in Österreich : Skilehrerkurse als Schlupflöcher?

Skifahrer an einer Piste in Sankt Anton in Österreich am 9. Januar Bild: dpa

Österreichs Skipisten sind nur für Einheimische geöffnet. Doch für Skilehrerkurse durften auch ausländische Touristen kommen. In Jochberg gibt es nun 17 Infizierte – vermutlich mit der britischen Mutante.

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          Österreich in Zeiten der Pandemie-Regeln ist, so könnte man in Anlehnung an ein Diktum aus K.-u.-k.-Zeiten sagen, eine Despotie, gemildert durch Schlamperei. Ein Beispiel dafür bietet wieder einmal der Skizirkus. Da staubt derzeit gewaltig der Schnee wegen eines Trüppchens junger Leute hauptsächlich aus Großbritannien, die sich Ende Dezember in Tirol zum Skifahren eingefunden hatten. Das konnten sie trotz aller Reisebeschränkungen tun, weil sie sich für einen Kurs zur Ausbildung als Skilehrer eingeschrieben haben: Berufliche Gründe also, und für die gelten die generellen Reiserestriktionen nicht.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Dann wurde aber bekannt, dass sich 17 Personen aus dieser Gruppe mit dem Coronavirus infiziert haben. Und, brisanter noch: Es besteht der Verdacht, dass es sich um die hochansteckende britische Mutante handelt. Seit Dienstag konnten sich die 1800 Einwohner der Gemeinde Jochberg im Bezirk Kitzbühel, in der sich die Unterkünfte für die Skilehreraspiranten befinden, testen lassen. Vorerst sieht es so aus, als habe sich eine Ausbreitung über diesen Kreis hinaus verhindern lassen. Von 1000 abgegebenen Proben sind, wie am Donnerstag mitgeteilt wurde, vier positiv. Sie wurden eingeschickt, um festzustellen, ob es sich um die britische Mutante handelt.

          Ist die Öffnung eine Einladung?

          Gleichzeitig wird nun lebhaft darüber diskutiert, ob die Skilehrerkurse als Schlupfloch missbraucht wurden, um doch noch ein paar ausländische Skitouristen nach Österreich zu locken. Die Pisten sind bekanntlich für Österreicher trotz genereller Schließung von Geschäften, Lokalen und Veranstaltungen geöffnet, und die dazugehörenden Seilbahnen ebenfalls. Die Begründung: Es handle sich um Individualsport im Freien, bei dem keine sonderliche Infektionsgefahr bestehe. Die Seilbahnen wiederum seien Massenbeförderungsmittel wie andere auch und hätten teilweise sogar eine gesetzliche Beförderungspflicht. Also wurden bestimmte Restriktionen erlassen: Abstände, Kontingentierungen, Maskenpflichten. Die Skihütten bleiben geschlossen, Après-Ski-Bars sowieso.

          Obwohl dadurch beim eigentlichen Skibetrieb das Risiko zweifellos minimiert werden kann, entsteht der Eindruck, dass die grundsätzliche Öffnung der Pisten und Bahnen wie eine Einladung wirkt, Ausweichmöglichkeiten zu suchen. Generell gilt, dass touristische Übernachtungen verboten sind. Aber wer kontrolliert, wer sich in privaten Ferienwohnungen aufhält und ob das nur Leute aus einem Haushalt sind? Und wie berufsbezogen sind derzeit die besagten Skilehrergruppen? Inklusivkurse für ausländische Skilehrer sind an sich nicht unüblich.

          Die jungen Leute in Jochberg (zwölf Briten, außerdem aus Estland, Irland, Island, Spanien und den Niederlanden) waren seit Ende Oktober und jedenfalls vor dem 22. Dezember angereist, an dem der besondere Einreisestopp für Personen aus Großbritannien verhängt wurde. Sie waren in einem Mitarbeiterhaus einer Skischule untergebracht. Nur ihr Kurs konnte nicht stattfinden. Laut englischen Medienberichten soll stattdessen eine Art Dauerparty stattgefunden haben. Selbst wenn man die Übertreibungslust der „Yellow Press“ in Rechnung stellt, wäre es lebensfremd, anzunehmen, dass die jungen Leute die Zeit in mönchischer Isolation verbracht hätten. Dazu passt eine Meldung aus Bad Gastein vom 31. Dezember, als die Polizei eine laute Party von zwölf dänischen und schwedischen Skilehrern in einer Wohnung auflöste.

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