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Wer, wo und welche Themen : G-7-Gipfel in 60 Sekunden

  • Aktualisiert am

Vor einem Jahr stand auf Sizilien die amerikanische Aufkündigung des Pariser Klimaabkommens im Mittelpunkt der G7 (Archivbild). Bild: dpa

Gemeinsam war gestern. Auf dem G-7-Gipfel geht es ab Freitag gegeneinander. Sechs gegen einen, EU gegen Amerika. Was Sie über den Gipfel wissen sollten.

          2 Min.

          Die Teilnehmer

          An dem zweitägigen Treffen der sieben führenden Wirtschaftsmächte (G7) nehmen traditionell die Staats- und Regierungschef von Deutschland (Angela Merkel), Frankreich (Emmanuel Macron), Großbritannien (Theresa May), Italien (Giuseppe Conte), Japan (Shinzo Abe), der Vereinigten Staaten (Donald Trump) und Kanada (Justin Trudeau) teil. Gastgeber ist der kanadische Premierminister Justin Trudeau, da das Treffen in Kanada stattfindet. Italiens Regierungschef Conte stößt nur wenige Tage nach seiner Amtsübernahme ganz frisch dazu. Außerdem werden EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk erwartet.

          Der Ort

          Die Staats- und Regierungschefs treffen sich abgeschirmt in einem Luxushotel in La Malbaie in der Region Charlevoix rund 150 Kilometer von Québec entfernt. Das Hotel liegt weit weg von allem, wo sich Protest organisieren könnte. Aber in Québec werden Demonstrationen erwartet. Da auch mit radikalen Gruppen gerechnet wird, ist das Polizeiaufgebot massiv. Die Kosten des Treffens werden Berichten zufolge auf umgerechnet etwa 400 Millionen Euro geschätzt.

          Die Ausgangslage

          Die Gruppe sieben führender Industriestaaten ist in einem historisch schlechten Zustand. Sie droht in zwei Lager zu zerfallen: Europa und Kanada hier, die Vereinigten Staaten unter Donald Trump dort. In einer Zeit tiefgreifender Umwälzungen in der Weltpolitik ist vom Schulterschluss der westlichen Wertegemeinschaft nicht mehr viel zu sehen. Das hat viele Gründe und sorgt für viele Meinungskonflikte. Hinzu kommt die jüngsteForderung von Trump, Russland wieder in den Kreis der wichtigsten Wirtschaftsnationen aufzunehmen. Die EU lehnt das ab.

          Die Streitpunkte

          Ganz oben auf der Liste stehen die Strafzölle der Vereinigten Staaten gegen die EU auf Stahl und Aluminium, die nur wenige Tage vor dem Gipfel in Kraft traten. Nicht weniger problematisch ist der Ausstieg Amerikas aus dem Atom-Abkommen mit Iran. Die drei europäischen Vertragsparteien Frankreich, Deutschland und Großbritannien wollen den Vertrag unbedingt retten. Trump setzt dagegen auf möglichst hohen Druck auf Iran mit Sanktionen. Das Hauptstreitthema des letzten Gipfels, der Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Pariser UN-Klimaschutzabkommen, ist zwar fast vergessen – aber immer noch präsent. Kanada wünscht sich zudem, dass auch über Gleichberechtigung, mehr Bildung für Frauen und Mädchen, Wirtschaftswachstum, Jobs in neuen Technologien und saubere Energien gesprochen wird.

          Vor dem Hintergrund der Streitigkeiten will Trump den G-7-Gipfel am Samstag auch schon vorzeitig verlassen. Er wird nach Angaben des Weißen Hauses direkt nach Singapur reisen, wo er am Dienstag mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zu einem historischen Gipfel zusammentrifft. Bei dem Treffen in dem asiatischen Stadtstaat will der US-Präsident den Machthaber dazu bewegen, atomar abzurüsten.

          Die Erfolgsaussichten

          Sie sind miserabel. Die Europäer wollen im Handelsstreit nicht klein beigeben. Beim Atomabkommen mit Iran ist ebenfalls völlig schleierhaft, wie man wieder zusammenkommen kann. Es wird gemunkelt, dass es statt der sonst üblichen gemeinsamen Abschlusserklärung, nur eine Erklärung ohne Amerika geben könnte. Wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, wäre das ein offener Bruch. Es wäre dann völlig offen, welche Zukunft das Gesprächsformat überhaupt noch hat.

          Die sozialen Medien

          Vorbei sind die Zeiten, in denen das Wichtigste auf Pressekonferenzen gesagt wurde. Besonders Trump, Macron, Trudeau und May sind auf Twitter sehr aktiv. Es wird erwartet, dass sie auch während des Gipfels twittern. Schon im Vorfeld des Gipfels haben sie gegenseitig Botschaften auf dem Kurznachrichtendienst veröffentlicht.

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