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Schwarze-Peter-Spiel : Wer trägt die Schuld an den vielen toten Schweden?

Stefan Löfven, Ministerpräsident von Schweden, auf einer Pressekonferenz in Stockholm am 31. März Bild: dpa

Die zweite Corona-Welle trifft Schweden mit voller Wucht. Auf der Suche nach den Verantwortlichen geraten die Regionen ebenso in den Fokus wie die Gesundheitsbehörde und die Regierung in Stockholm.

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          Politik ist immer auch ein Schwarze-Peter-Spiel, und in Schweden werden schon die Karten ausgeteilt. Als Ministerpräsident Stefan Löfven einer Zeitung jüngst ein Interview gab, ging es gleich um ein Thema, das Schweden in der Corona-Krise besonders bewegt: die vielen Toten unter den alten Menschen. Ein Bericht hatte zuvor massive Mängel bei der medizinischen Versorgung in den Alten- und Pflegeheimen während der ersten Welle der Corona-Pandemie kritisiert. Löfven schob in dem Interview mit der „Dagens Nyheter“ am Mittwoch den Schwarzen Peter dafür den Regionen zu. Formal ist das mit Blick auf die Zuständigkeiten richtig – aber in der zunehmend angespannten Lage im Land wohl trotzdem nicht ganz so einfach. Die Zahl der Toten hat am Donnerstag die Marke von 7000 überschritten, die 14-Tages-Inzidenz liegt bei 669.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Als die erste Welle Schweden getroffen hat, starben vor allem in Alten- und Pflegeheimen viele Menschen – fast die Hälfte der Toten im Land. Etwa ein weiteres Viertel wurde in Wohnungen gepflegt. Früh hatten die zuständige Gesundheitsbehörde und die Regierung eingestanden, dass der Schutz der alten Menschen misslungen sei. Sie wollten das aber nicht als Eingeständnis verstanden wissen, dass der schwedische Sonderweg womöglich falsch war. „Wir müssen unterscheiden zwischen dem grundsätzlichen Weg, den wir gewählt haben, und den vielen Opfern, die es leider in den Alten- und Pflegeheimen gab, was aber auf einen Mangel in unserem Wohlfahrtssystem hinweist“, hatte Löfven im September der F.A.Z. gesagt. „Wir haben ja nicht entschieden, unsere Alten zu gefährden, wir haben im Gegenteil gesagt, wir müssen sie beschützen.“ So wurde im Land über die Zustände in den Heimen diskutiert, über die Pfleger und die Ausstattung, über die langen Jahre, in denen gespart wurde. Eine schwierige Debatte in einem Land, dass so stolz ist auf seinen Wohlfahrtsstaat. Eine Kommission wurde eingesetzt, um die Sache zu untersuchen.

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