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Marija Kolesnikowa : Die letzte des belarusischen Trios

Marija Kolesnikowa ist als einzige des oppositionellen Frauentrios noch in Belarus. Bild: Reuters

Von den drei Frauen, die Tausende Belarusen im Wahlkampf begeisterten, ist nur noch Marija Kolesnikowa im Land. Sie will bleiben – wenn man sie lässt. Dem Regime traut sie vieles zu.

          2 Min.

          Erst ging der Sieg, nun die Faust, es bleibt das Herz. Als Swetlana Tichanowskaja Mitte Juli als einzige echte Oppositionskandidatin gegen Dauerherrscher Alexandr Lukaschenka zu den Präsidentenwahlen in Belarus zugelassen wurde, tat sie sich prompt mit den Vertreterinnen zweier verhinderter Kandidaten zusammen, mit Veronika Zepkalo und Marija Kolesnikowa.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt schufen die drei mit Gesten ein Bild, das zum Symbol des Aufbegehrens wurde: Zepkalo hob die Finger zum V wie Victory, Sieg, Tichanowskaja ballte die Faust, Kolesnikowas Hände formten ein Herz. Zigtausende jubelten. Am Wochenende reiste Zepkalo zu ihrem Mann nach Moskau, in der Nacht zum Dienstag verließ Tichanowskaja Belarus in Richtung Litauen, offenkundig unter dem Druck des Regimes, das nur mit Gewalt Lukaschenkas „Sieg“ behaupten kann. So ist die 38 Jahre alte Kolesnikowa die bis auf weiteres letzte Vertreterin des Trios in Belarus.

          Als Einzige der drei vertrat sie nicht einen an der Kandidatur gehinderten Ehemann, sondern den früheren Banker Viktor Babariko. Er galt als aussichtsreichster Herausforderer Lukaschenkas, wurde aber im Juni inhaftiert. Mit in Haft kam Babarikos Sohn Eduard, der den Stab seines Vaters geleitet hatte, an seine Stelle rückte Kolesnikowa.

          Zwischen Deutschland und Belarus

          Das Rampenlicht ist ihr vertraut: Sie studierte in Minsk Musik, speziell Flöte und Dirigieren. Später besuchte sie die Stuttgarter Musikhochschule, spricht fließend Deutsch und arbeitet in normalen Zeiten als Musikerin und Kulturmanagerin zwischen Belarus und Deutschland. Babariko gewann sie 2019 dafür, ein von seiner damaligen Bank finanziertes „Kulturhub“ in Minsk zu leiten.

          „Frauen, die anderen Frauen nicht helfen, brennen in der Hölle“, sagte Kolesnikowa Ende Juli über die Zusammenarbeit mit den Gefährtinnen und scherzte, die drei verbänden „zum Beispiel Prosecco und Shopping“. Doch auch inhaltlich waren sich die Frauen schnell einig. Im Wahlkampf sprach auch Kolesnikowa von Gleichheit, Gerechtigkeit, Freiheit; es waren solche Reden, die viele Belarusen elektrisierten. Die Herzensgeste habe sie gewählt, weil sie Babarikos Respekt vor den Menschen, Liebe und persönliche Würde verkörpere, erläuterte Kolesnikowa.

          Jetzt versucht Lukaschenka, die Angst zurückzubringen. Auch Kolesnikowa wurde am Samstagabend von der Polizei aufgegriffen, dann sagten die Beamten, sie hätten sie „mit jemandem verwechselt“. Am Dienstag musste Kolesnikowa die Ausreise Tichanowskajas zu deren Kindern nach Litauen erklären: „Wenn ich mich in ihrer Lage befände, könnte man mich womöglich ebenfalls zwingen.“ Kolesnikowa, die keine Kinder, aber noch Vater und Schwester in Belarus hat, kündigte an, in Minsk zu bleiben.

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