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Wende im Fall Strauss-Kahn : „DSK sollte kandidieren“

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Optimistisch nach der Wende in seinem Verfahren: Strauss-Kahn verlässt mit Ehefrau Anne Sinclair sein Apartment in New York Bild: AFP

Nach der Wende im Fall Strauss-Kahn sprechen französische Sozialisten von einem möglichen Comeback ihres ehemaligen Favoriten für die Präsidentschaftswahl. Der frühere IWF-Chef schweigt.

          Nach der überraschenden Wende im Fall Strauss-Kahn werden bei den französischen Sozialisten Stimmen laut, ihrem ehemaligen Favoriten für die Präsidentschaftswahl doch noch eine Chance zu geben. „Nichts sollte Dominique Strauss-Kahn daran hindern, (bei den Vorwahlen) zu kandidieren“, sagte der frühere Parteichef François Hollande, der selber auch antritt, der Zeitung „Libération“ (Samstag).

          Indirekt sprach er sich für eine Verlängerung der Meldefrist bei den Sozialisten für eine Präsidentschaftskandidatur aus. Bislang war diese auf den 13. Juli festgelegt - noch vor dem nächsten offiziellen Gerichtstermin Strauss-Kahns. Die Termine für die Vorwahl im Oktober sollten hingegen bleiben, meinte Hollande, der seit der Festnahme des ehemaligen IWF-Chefs selber als Favorit galt. Französische Medien mutmaßen, dass Hollande sich gegen Strauss-Kahn immer noch bessere Chancen ausrechnet als gegen die amtierende Parteichefin Martine Aubry, deren Profil dem seinen stark ähnelt. Beiden wird mangelnde Ausstrahlung und geringe internationale Erfahrung vorgeworfen. Aubry hatte ihre Kandidatur für die Vorwahl erst kürzlich nach langem Zögern erklärt.

          Zweifel an Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers

          Sieben Wochen nach seiner Festnahme in New York ist Dominique Strauss-Kahn wieder auf freiem Fuß. Der Hausarrest wurde aufgehoben. Unterdessen wachsen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens, das ihm versuchte Vergewaltigung und erzwungenen Oralsex vorwirft. Zwar wird noch weiter ermittelt. Nach der überraschenden Wende in der Hotelzimmeraffäre wird aber in Paris bereits über ein politisches Comeback Strauss-Kahns gesprochen. „Der Fall ist einen Schritt näher an der Einstellung“, schrieb die „New York Times“ am Samstag.

          Vorerst wieder ein freier Mann: Dominique Strauss-Kahn verlässt mit Ehefrau Anne Sinclair das Gericht in New York

          Es gebe zu viele Lücken in der Glaubwürdigkeit der Kronzeugin. Jüngste Enthüllung war der Inhalt eines abgehörten Telefongesprächs der 32 Jahre alten Frau mit einem Freund in einem Abschiebegefängnis in Arizona. Demnach soll sie diesem dem Zeitungsbericht zufolge sinngemäß gesagt haben: „Mach dir keine Sorgen, dieser Kerl hat viel Geld. Ich weiß, was ich tue.“

          Amerikanischen Medienberichten zufolge soll die Hotelangestellte auch falsche Angaben zu ihrer Einwanderung aus Guinea im Jahr 2002 sowie über ihre Erfahrungen in dem westafrikanischen Staat gemacht haben. Außerdem soll sie mit mutmaßlichen Kriminellen in Verbindung stehen. (Siehe auch: Nafissatou Diallo: Das mutmaßliche Opfer)

          „Der Fall ist vorbei. Oder er sollte zumindest vorbei sein“, schrieb das „Wall Street Journal“.

          Strauss-Kahn schweigt

          Auch nach seiner Freilassung aus dem Hausarrest will sich Strauss-Kahn in der Öffentlichkeit bedeckt halten. „Er wird sich äußern, wenn jeglicher Verdacht beseitigt ist“, sagte sein französischer Anwalt Jean Veil am Freitagabend dem Fernsehsender BFM TV. Dies werde dann sein, wenn Strauss-Kahn zurück in Frankreich sei. Ein Zeitpunkt dafür ist allerdings noch völlig ungewiss.

          Strauss-Kahn kam am Freitag strahlend aus dem Gericht in Manhattan, nachdem der Richter fünf der sechs Auflagen gegen ihn aufgehoben hatte. Die Reisepässe bleiben unter Verschluss, „DSK“ darf die Vereinigten Staaten nicht verlassen.

          Opferanwalt: „Die Tat hat stattgefunden“

          Die elektronische Fußfessel aber ist ebenso beseitigt wie die Kameras und die bewaffneten Wachen vor dem Apartment der Strauss-Kahns in Manhattan. Die in bar gezahlte Kaution in Höhe von einer Million Dollar bekommt der Franzose ebenso zurück wie eine Bankbürgschaft über weitere fünf Millionen Dollar. Der Anwalt der Hotelangestellten, Kenneth Thompson, hält jedoch an den Vorwürfen fest. „Die Tat hat stattgefunden“, sagte er unmittelbar nach der Freilassung. Sie habe beim Asylantrag nur deshalb falsche Angaben gemacht, weil sie in ihrer afrikanischen Heimat vergewaltigt worden sei und Angst gehabt habe, zurückgeschickt zu werden. „Sie hat Fehler gemacht. Aber deshalb ist sie doch dennoch das Opfer einer Vergewaltigung.“ In kriminelle Machenschaften sei sie nicht verwickelt.

          Staatsanwalt Cyrus Vance, Sohn des früheren gleichnamigen Außenministers, sagte, dass er „nur der Wahrheit und den Fakten“ verpflichtet sei: „Es ist die höchste Pflicht eines amerikanischen Staatsanwalts, dass die Rechte derer, die Hilfe bei der Justiz suchen, gewahrt bleiben.“ Aber es gehe um Gerechtigkeit: „Wir müssen für beide Seiten fair sein. Deshalb wäre es ungerecht gewesen, die Zweifel an der Zeugin nicht mitzuteilen.“ (Siehe auch: Prozess gegen Strauss-Kahn: Staatsanwalt in Bedrängnis )

          Trotz der Freilassung werde weiter ermittelt. „Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Wir werden weitermachen, wie es unsere Pflicht ist.“ Die nächste Verhandlung soll am 18. Juli stattfinden.

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