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Weltwirtschaftsgipfel : G8 sagt 20 Milliarden Dollar für Afrika zu

  • Aktualisiert am

Scherzen mit den Russen: Obama und Medwedjew auf dem G-8-Gipfel Bild: AFP

Mehrere Industriestaaten wollen in den kommenden drei Jahren 20 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Landwirtschaft in Afrika investieren. Der amerikanische Präsident Obama hatte darauf gedrungen, den Schwerpunkt der Hilfe zu verlegen.

          Die G8 und weitere Industriestaaten haben am Freitag in L'Aquila angekündigt, in den kommenden drei Jahren 20 Milliarden Dollar in die Entwicklung der Landwirtschaft in Afrika zu investieren. Der amerikanische Präsident Obama hatte darauf gedrungen, den Schwerpunkt weg von Nahrungsmittellieferungen hin zu einer Verbesserung der Infrastruktur zu verlegen. Das entspricht der deutschen Haltung. Amerika sagte 3,5 Milliarde Dollar zu. Deutschland will nach Äußerungen aus Regierungskreisen 300 Millionen Euro zusätzlich zu der bisher geplanten Entwicklungshilfe geben.

          Obama sagte bei den Beratungen am letzten Tag des Gipfels in Italien, an denen die Staats- und Regierungschefs von acht afrikanischen Staaten teilnahmen, dass Afrika eine Mitschuld an der Not auf dem Kontinent habe. Korruption verhindere vielerorts Fortschritte. Obama erinnerte an seine kenianischen Wurzeln und sagte, in Kenia litten Menschen wegen der Untätigkeit staatlicher Institutionen Hunger. Obama sagte: „Es gibt keinen Grund, warum sich Afrika nicht selbst ernähren könnte.“

          „Zu viel Nahrungsmittelhilfe“

          Bundeskanzlerin Merkel wertete den dreitägigen Gipfel als Erfolg. Mit Blick auf die Beschlüsse zur Klimapolitik sagte sie aber, der Weg zu einem Erfolg bei der Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember sei noch sehr weit. Offen blieb, ob die G8 künftig erweitert wird oder in der G20 aufgeht, der etliche Schwellenländer angehören. Kanzlerin Merkel erwartet in Jahresfrist Entscheidungen über die Zukunft der Gipfel-Formate.

          Die Bundeskanzlerin bestritt, dass Überlegungen zu einer Ablösung des Dollars als Leitwährung „im offiziellen Teil des Gipfels“ eine Rolle gespielt hätten. Frankreichs Präsident Sarkozy hatte sich zwar nicht hinter den chinesischen Vorschlag einer künstlichen Leitwährung gestellt, aber seine Forderung bekräftigt, in „der multipolaren Welt des 21. Jahrhunderts“ auch über ein „multi-monetäres System“ zu diskutieren. Der russische Präsident Medwedjew sagte, man habe sogar über den Rubel als Ausweichwährung gesprochen.

          Für die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) begrüßte der stellvertretende Generaldirektor Alexander Müller die Gipfelbeschlüsse zu Afrika als grundsätzlichen Richtungswechsel in der Entwicklungspolitik. Jahrzehntelang hätten die Vereinigten Staaten die Überschüsse ihrer Landwirtschaft als Nothilfe in bedürftigen Ländern verteilt. „Doch es gibt bisher zu viel Nahrungsmittelhilfe und zu wenig langfristige Investitionen in die Landwirtschaft“, sagte Müller. Für mehr Investitionen in der örtlichen Landwirtschaft der unterentwickelten afrikanischen Länder, wie sie nun einhellig von der Konferenz unterstützt wurden, hat sich die FAO seit Jahren eingesetzt, weil damit nicht nur Hunger gestillt, sondern auch die Armut bekämpft werden könne.

          Berlusconi: G20 zu groß

          Der französische Präsident Sarkozy kündigte an, Frankreich werde während seiner G-8-Präsidentschaft im Jahr 2011 Fakten schaffen und „die G14 einführen“, sofern ein solcher Beschluss nicht vorher gefällt werde. Der britische Premierminister Brown sei ähnlicher Auffassung. Auch Berlusconi sprach sich für eine G14 aus. Nach Auffassung Italiens und Frankreichs soll die Gruppe aus der bisherigen G8 (Amerika, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Italien, Kanada und Russland), der G5 (Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika) sowie Ägypten bestehen. Der Kreis der G20 sei dagegen zu groß, um greifbare Ergebnisse zu erzielen, sagte Berlusconi.

          Obama sagte, er habe in dieser Diskussion „mehr zugehört“. Die Welt befinde sich in einer „Übergangsphase“. Länder wie China, Indien oder Brasilien sowie Afrika und Lateinamerika müssten auf jeden Fall stärker beteiligt werden. Auch die Vereinten Nationen bedürften einer umfassenden Reform. Wie Frau Merkel klagte Obama, es gebe zurzeit zu viele Gipfeltreffen. Die russische Regierung sagte, es sei zu früh, die G8 abzuschreiben. Kanada, das den nächsten G-8-Gipfel in Huntsville ausrichten will, gilt wie Japan als besonders skeptisch gegenüber einer G-8-Erweiterung.

          Berlusconi verteidigte seine Entscheidung, den Gipfel kurzfristig nach L'Aquila zu verlegen, das im April durch ein Erdbeben weitgehend zerstört worden war. „Oft erweisen sich nicht die rationalen Entscheidungen als richtig, sondern diejenigen, die mit einer gewissen voraussehenden, weisen Verrücktheit getroffen werden“, sagte Berlusconi. Frau Merkel sprach von einer „richtigen und wichtigen Entscheidung“ Berlusconis.

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