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Sipri-Studie : Die Rüstungsindustrie boomt

  • Aktualisiert am

Zwei F-22 Raptor auf dem Weg zur Nato-Basis in Estland, aufgenommen im September 2015 Bild: Reuters

Erstmals seit Jahren steigen die weltweiten Militärausgaben wieder. Einer Studie zufolge hat vor allem China seine Rüstungsexporte drastisch erhöht. Auch Deutschlands Ausfuhren erreichen einen Höchstwert.

          Der Handel mit Waffen hat laut einer neuen Studie des Friedensforschungsinstituts Sipri in den vergangenen Jahren weltweit zugenommen. Der Untersuchung zufolge, die an diesem Dienstag in Stockholm vorgestellt wird, stieg der Rüstungsverkauf zwischen 2011 und 2015 im Vergleich zum Zeitraum 2006 bis 2010 um 14 Prozent. Insgesamt hätten die Staaten im vergangenen Jahr annähernd 1,7 Billionen Dollar für ihre Streitkräfte ausgegegeben

          Die größten Waffenexporteure sind demnach die Vereinigten Staaten, Russland, China, Frankreich und Deutschland. Deutschlands Exporte seien allerdings im Vergleich zu den Jahren 2006 bis 2010 etwa auf die Hälfte gesunken, so Sipri. Auffällig gesteigert habe dagegen China seine Rüstungsexporte – insgesamt um 88 Prozent.

          Die Vereinigten Staaten verzeichneten mit 595 Milliarden Dollar mit Abstand die höchsten Militärausgaben, obwohl sie seit 2011 jedes Jahr geringfügig weniger dafür investieren. Mit einer Zunahme von 7,4 Prozent war China (215 Milliarden) abermals auf dem zweiten Platz, gefolgt von Saudi Arabien (87 Milliarden, Plus von 5,7 Prozent) und Russland (66 Milliarden, Plus von 7,5 Prozent). Deutschland liegt mit 39 Milliarden Dollar auf Platz neun (2014 Platz acht).

          Als die fünf größten Abnehmer von Rüstungsgütern nennt das Institut in seinem neuen Bericht Indien, Saudi-Arabien, China, die Vereinigten Arabischen Emirate und Australien. Insgesamt seien die Rüstungsimporte insbesondere im Nahen und Mittleren Osten deutlich gestiegen. Auch fast alle übrigen Länder Asiens und Ozeaniens gaben mehr für ihre Streitkräfte aus. Das gleiche die geringeren Ausgaben in Afrika, Lateinamerika und der Karibik aus, erklärten die Forscher. In Nordamerika und Westeuropa nehmen die Investitionen weiter ab, jedoch weniger als in den Jahren davor.

          Kritik an deutschen Waffenexporten

          Die Opposition im Bundestag hatte im Vorfeld der Studie deutsche Waffengeschäfte kritisiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) solle sich für einen Stopp von Rüstungsgütern auf die Arabische Halbinsel einsetzen.

          Die Linken-Fraktion im Bundestag erklärte, es gebe mit Blick auf Deutschland keinen Grund zur Entwarnung. Die jüngsten Zahlen zu den Exportgenehmigungen für 2015 hätten - Einzel- und Sammelausfuhren zusammengenommen - einen neuen Rekordwert von 12,8 Milliarden Euro erreicht. Für Kritik sorgte in diesem Zusammenhang unter anderem eine geplante Lieferung von Panzern nach Qatar mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Euro.

          Das Friedensforschungsinstitut Sipri

          Das schwedische Parlament hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri 1966 ins Leben gerufen. Es versorgt Wissenschaftler, Politiker und Medien mit Daten, Analysen und Empfehlungen zu internationalen militärischen Fragen. Finanziert wird es zum großen Teil von der schwedischen Regierung. Sipri (Stockholm International Peace Research Institute) versteht sich als Plattform für die Zusammenarbeit von Konfliktforschern aus aller Welt und arbeitet eng mit den Vereinten Nationen (UN) und der Europäischen Union (EU) zusammen. Direktor des Instituts ist seit September 2015 der Brite Dan Smith. (dpa)

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