https://www.faz.net/-gpf-ab24e

Trotz Wirtschaftskrise : Militärausgaben steigen trotz Pandemie auf neuen Höchststand

  • Aktualisiert am

Ein Soldat der Bundeswehr steht am Flughafen nahe des Stützpunktes im Norden Malis. (Archivbild) Bild: dpa

Ungeachtet derCorona-Pandemie haben Staaten weltweit ihre Rüstungsausgaben weiter erhöht. Laut Friedensforschern wenden sie nun beinahe zwei Billionen Dollar für die Verteidigung auf.

          2 Min.

          Trotz der Pandemie und ihren wirtschaftlichen Folgen haben die Länder der Erde 2020 abermals mehr Geld in ihre Verteidigung gesteckt. Die weltweiten Militärausgaben stiegen 2020 um 2,6 Prozent auf schätzungsweise 1,98 Billionen Dollar (rund 1,65 Billionen Euro), wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag mitteilte. Dies sei ein neuer Höchststand seit Beginn vergleichbarer Schätzungen im Jahr 1988.

          „Wir können mit einiger Sicherheit sagen, dass die Pandemie keinen signifikanten Einfluss auf die globalen Militärausgaben 2020 hatte“, erklärte der Sipri-Forscher Diego Lopes da Silva. Es müsse sich erst noch zeigen, ob die Länder dieses Ausgabenniveau auch im Laufe eines zweiten Pandemiejahres aufrechterhalten würden. Sein Institut wies allerdings darauf hin, dass die Schätzungen diesmal coronabedingt mit einer größeren Unsicherheit behaftet seien als sonst.

          Spitzenreiter Amerika

          Unangefochtener Spitzenreiter bei den Verteidigungsausgaben bleiben die Vereinigten Staaten, die im letzten vollen Amtsjahr von Präsident Donald Trump nach neuen Zuwächsen mit Ausgaben von schätzungsweise 778 Milliarden Dollar für 39 Prozent des globalen Militäraufwands verantwortlich waren. Deutschland legte derweil um 5,2 Prozent auf geschätzte 52,8 Milliarden Dollar zu, was dem größten prozentualen Anstieg aller Top-10-Staaten entsprach.

          „Die jüngsten Erhöhungen der amerikanischen Militärausgaben lassen sich in erster Linie auf hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie mehrere langfristige Projekte wie die Modernisierung des Atomwaffenarsenals und die Beschaffung von Waffen in großem Umfang zurückführen“, äußerte Sipri-Forscherin Alexandra Marksteiner.

          Chinas Militärausgaben, die zweithöchsten der Welt, beliefen sich 2020 schätzungsweise auf 252 Milliarden Dollar. Dies entspricht einem Anstieg von 1,9 Prozent – und 76 Prozent im Zeitraum von 2011 bis 2020. Chinas Ausgaben sind in 26 aufeinanderfolgenden Jahren gestiegen, die längste Serie ununterbrochener Steigerungen eines Landes laut Sipri. Bei fast allen Nato-Mitgliedern stiegen die Militärausgaben im Jahr 2020 dem Jahresbericht zufolge. Zwölf Nato-Mitglieder hätten zwei Prozent oder mehr ihres Bruttoinlandsprodukts für ihr Militär ausgegeben – das Richtziel der Allianz für die Ausgaben. 2019 waren es nur neun Mitglieder.

          Das so genannte Zwei-Prozent-Ziel hatte in den vergangenen Jahren zu Streit zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump geführt. Trump pochte darauf, dass alle Nato-Staaten „mindestens“ zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung ausgeben. Die Regierung in Washington beruft sich auf ein umstrittenes Ziel der Militärallianz. Die Bündnisstaaten hatten 2014 vereinbart, den Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) binnen eines Jahrzehnts „Richtung zwei Prozent“ zu steigern. Deutschland blieb laut Nato mit 1,56 Prozent im vergangenen Jahr weiter klar unter der Vorgabe.

          Weitere Themen

          Die erste Bundesinnenministerin Video-Seite öffnen

          Nancy Faeser : Die erste Bundesinnenministerin

          Ihr Name ist die große Überraschung auf Olaf Scholz' Kabinettsliste: Die 51-jährige Nancy Faeser, eine bundesweit bislang kaum bekannte SPD-Landespolitikerin aus Hessen, soll als erste Frau an die Spitze des Bundesinnenministeriums treten.

          Topmeldungen

          Altenheim in Bayern: Die Bewohner sollen sich sicher fühlen können. Ist eine Impfpflicht hierfür sinnvoll?

          Neues Infektionsschutzgesetz : „Dann bitte alle impfen“

          Die Spritzenpflicht in Pflege und Kliniken kommt. Die Branche begrüßt das größtenteils, fordert aber, dass auch andere Gruppen mit einbezogen werden: Denn nur so könne man den höchstmöglichen Schutz für alle erreichen.
                        Freundliche Begrüßung für die Kameras: Wladimir Putin und Joe Biden am Dienstag zu Beginn ihres digitalen Gesprächs

          Videogipfel : Putins Linien und Bidens Optionen

          Nach dem Videogipfel der beiden Präsidenten gibt es nur eine knappe amerikanische Erklärung. Sie klingt wie die Statements vor dem Gespräch. Zumindest soll weiter geredet werden.