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Weltpolitik : Saudi-Arabiens Wiedergeburt als Führungsmacht

In Mekka sollen Hamas und Fatah ihren „Bruderkampf” beilegen Bild: picture-alliance/ dpa

König Abdullah stellt sich Iran entgegen und lädt die rivalisierenden Palästinensergruppen zu einem Versöhnungsgespräch. Das Königreich hat sich als Führungsmacht der arabisch-islamischen Welt zurückgemeldet. Eine Analyse von Rainer Hermann.

          4 Min.

          Saudi-Arabien konferiert mit Iran über den Irak und den Libanon, und König Abdullah lädt die rivalisierenden Palästinenser zu einer Aussprache nach Mekka ein. Fern von ausländischen Einflüssen sollen Hamas und Fatah dort ihre Meinungsverschiedenheiten beilegen. Das Königreich hat sich als Führungsmacht der arabisch-islamischen Welt zurückgemeldet.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Als erstes sichtbares Ergebnis forderte auf saudisches Drängen Teheran die Hizbullah dazu auf, bereits am Abend des ersten Tages die eigentlich auf mehrere Tage angelegten Straßenblockaden im Libanon wieder aufzuheben. Bei den Palästinensern mag auch die Stimme Ägyptens noch gehört werden. Dagegen kann der iranischen Herausforderung in der arabischen Welt offenbar nur Saudi-Arabien entgegentreten.

          Engste Beziehungen zu den Bushs

          Mit den jüngsten Initiativen untermauert Saudi-Arabien seinen Führungsanspruch in der arabischen Welt. Im Gegenzug bietet sich Iran die Chance, über Riad einen indirekten Dialog mit Washington zu führen. An einer weiteren Destabilisierung der Region ist keinem der beiden Golfanrainer gelegen.

          König Abdullah trifft Ali Laridschani

          Daher hatte in der vergangenen Woche zunächst der Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats Irans, Ali Laridschani, Riad besucht. Unter dem Eindruck der gewalttätigen Auseinandersetzungen im Libanon brach dann der Generalsekretär des saudischen Nationalen Sicherheitsrats, Prinz Bandar Bin Sultan, rasch zu einem Gegenbesuch nach Teheran auf. Bandar ist der saudische Politiker mit den besten Beziehungen nach Washington. Jahrzehnte hatte der Sohn des Kronprinzen und Verteidigungsministers Sultan Bin Abdalaziz als saudischer Botschafter in Washington amtiert und dort engste Beziehungen zur Familie Bush gepflegt.

          Saudi-Arabien handelt zum einen im eigenen Interesse. So hatte König Abdullah am Wochenende Iran davor gewarnt, in sunnitischen Ländern den schiitischen Glauben zu verbreiten. Nie würden sich sunnitische Muslime darauf einlassen, ihre aus der Geschichte abgeleitete Stellung durch eine Hinwendung zum schiitischen Islam aufzugeben, sagte er in einem Interview mit der kuweitischen Zeitung „al Siyasa“. Abdullah dementierte ferner, dass Saudi-Arabien an einer gegen Iran gerichteten Allianz arbeite. Nie werde Saudi-Arabien einen Angriff auf ein anderes Land gutheißen, auch nicht gegen Iran, betonte Abdullah.

          Verhandeln ohne Einflüsterer

          Zum anderen bietet Saudi-Arabien Iran die Chance zu einem indirekten Dialog mit den Vereinigten Staaten. Kurz vor den Treffen von Laridschani und Bandar hatte der irakische Staatspräsident Talabani gesagt, von seinem jüngsten Besuch in Teheran sei er mit dem Eindruck zurückgekehrt, Iran sei dazu bereit, mit Washington über eine Palette von Themen zu verhandeln, die von Afghanistan über den Irak bis in den Libanon reichten. Zur selben Zeit äußerte der iranische Präsident Ahmadineschad in einer Fernsehansprache, seine Regierung setze alles daran, eine weitere Resolution des UN-Sicherheitsrats gegen die Islamische Republik zu verhindern.

          Seit der Wahlschlappe im Dezember verzichtet Ahmadineschad auf seine frühere radikale Rhetorik. Zuletzt sagte am Sonntag der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Mohammad Ali Hosseini, Teheran habe von amerikanischen Politikern und Beamten eine schriftliche Botschaft zur Beilegung der bilateralen Meinungsverschiedenheiten erhalten. Auf Details ging er nicht ein.

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