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Weltnaturkonferenz in Montreal : Ein Rettungsplan für die Arten

Harmonie mit der Natur? Ein mit Plastikmüll verschmutztes Flussbett in Nairobi Bild: Getty

Ein Achtel der weltweiten Arten ist nach Schätzungen vom Aussterben bedroht. Auf der Weltnaturkonferenz in Montreal sollen Vereinbarungen zu ihrem Schutz getroffen werden.

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          Wie schlimm ist der Verlust der Artenvielfalt und die Zerstörung von Ökosystemen?

          Petra Ahne
          Redakteurin im Feuilleton.
          Katja Gelinsky
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin

          Die Artenvielfalt geht weltweit dramatisch zurück. Zwar sind Tiere und Pflanzen immer schon ausgestorben, aber die aktuelle Rate des globalen Artenverlusts durch den Einfluss des Menschen übersteigt das angenommene natürliche Maß nach Berechnungen von Wissenschaftlern um das 100- bis 1000-fache. Im Schnitt verschwindet alle zehn Minuten eine Art von der Erde. Eine Million von geschätzten acht Millionen Arten sind nach Angaben des Weltbiodiversitätsrates vom Aussterben bedroht. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) sind in den vergangenen 100 Jahren 75 Prozent aller Kulturpflanzen verschwunden. Jährlich wird außerdem eine Waldfläche von 13 Millionen Hektar zerstört – das ist die dreifache Größe der Schweiz.

          Was bedeutet der Biodiversitätsverlust für uns Menschen?

          Mit dem Verlust biologischer Vielfalt und der Zerstörung von Ökosystemen schrumpfen die Lebensgrundlagen für die Menschheit. Natürliche Lebensräume bieten Nahrung und Trinkwasser, liefern Fasern für Kleidung und Grundstoffe für Arzneien, bieten Schutz vor Stürmen und Überschwemmungen und regulieren das Klima. Die Rede ist von sogenannten Ökosystemdienstleistungen.

          Ihr wirtschaftlicher Wert wird von der internationalen Naturschutzorganisation IUCN auf 16 bis 64 Billionen US-Dollar pro Jahr geschätzt. Untersuchungen zeigen, dass mehr als die Hälfte des weltweiten Bruttoinlandprodukts in hohem oder mittlerem Maße von der Natur abhängig ist. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist außerdem der Zusammenhang zwischen Eingriffen in Ökosysteme und dem Ausbruch von Infektionskrankheiten in den Fokus gerückt.

          Um was geht es bei der Weltnaturkonferenz?

          Kurz und pathetisch gesagt: Die Konferenz will die Grundlagen dafür schaffen, dass es der Menschheit gelingt, künftig „in Harmonie mit der Natur“ zu leben. So steht es im Entwurf für die Vereinbarung. Damit das gelingt, sollen für die Zeit bis 2030 22 Ziele festgelegt werden, wie Arten und Ökosysteme bewahrt werden können und die Natur nachhaltig und gerecht genutzt werden kann. Angestrebt werden unter anderem der Schutz von mindestens 30 Prozent aller Land- und Meeresgebiete, eine deutliche Verringerung der Plastikverschmutzung und eine Reduktion der Umweltbelastung durch die Landwirtschaft.

          Zu den Hauptstreitpunkten gehört die Frage nach dem Zugang zu genetischen Ressourcen und der Beteiligung der Ursprungsländer im globalen Süden an den Profiten aus den genetischen Informationen. Das Rahmenabkommen, das nun verhandelt wird, ist nicht der erste Plan zur Rettung der Natur: 2009 wurden die 20 „Aichi-Ziele“ formuliert. Doch nicht eines davon wurde im Zieljahr 2020 vollständig erreicht. In der Nachfolgevereinbarung soll der Umsetzung und Überprüfung von Maßnahmen deshalb eine größere Rolle zukommen.

          Wie sind die Vorverhandlungen für die geplante Vereinbarung verlaufen?

          Sehr zäh und schleppend. Eigentlich sollte das geplante Rahmenabkommen schon 2020 im chinesischen Kunming verabschiedet werden. Dazu ist es wegen der Corona-Pandemie nicht gekommen. Damit die Vereinbarung noch in diesem Jahr verabschiedet werden kann, einigte man sich schließlich darauf, die Konferenz vom 7. bis 19. Dezember dieses Jahres in Montreal abzuhalten, wo das Sekretariat der Biodiversitätskonvention seinen Sitz hat. Die Präsidentschaft hat weiterhin China. Die Bemühungen um ein ehrgeiziges Rahmenabkommen habe die chinesische Regierung nicht vorangetrieben, sagen Beobachter. Trotz zusätzlich eingeschobener Arbeitssitzungen gibt es noch über nahezu alle 22 Ziele Streit. Ein wesentlicher Grund dafür sind Konflikte zwischen den Ländern des globalen Nordens und den Entwicklungsländern.

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