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Weltjugendtag : Der Hafen als Drehbühne

  • -Aktualisiert am

Die Teilnehmer sind zwischen 15 und 35 Jahre alt Bild: dpa

Sydney feiert den Weltjugendtag – obwohl die Hauptperson noch gar nicht aufgetreten ist. Am Donnerstag wird sich Papst Benedikt XVI. erstmals zeigen. Das 81 Jahre alte Kirchenoberhaupt musste sich nach dem anstrengenden Flug erst einmal erholen.

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          Die Stimmung in Sydney ist gut, obwohl die Hauptperson noch gar nicht aufgetreten ist. Die Hauptperson heißt „Be-ne-detto“ und ist schon seit Sonntag in Australien, wird sich aber erst an diesem Donnerstag zeigen.

          Die zwischen 15 und 35 Jahre alten Katholiken, die sich zum 23. Weltjugendtag in der Vier-Millionen-Stadt im Südosten des Kontinents eingefunden haben, gönnen es dem 81 Jahre alten Oberhaupt ihrer Kirche, dass es sich nach dem 20-Stunden-Flug von Rom ans andere Ende der Welt und angesichts der acht Stunden Zeitunterschied erst einmal ein wenig erholt. Am Mittwochnachmittag zog Benedikt XVI. von dem schönen grünen Anwesen Kenthurst, etwa 50 Kilometer vor Sydney, in die City um. Die Jungen und Mädchen hatten derweil schon angefangen mit dem Feiern, natürlich mit dem Segen von Kardinal-Erzbischof George Pell und einem Gottesdienst mit Andacht am Dienstag.

          Der Papst kommt zu Schiff

          Ein Weltjugendtag – dieser jetzt heißt im englischen Abkürzungslogo „WYD SYD 2008“ – kann einen Papst als Gast haben, aber zwingend ist das nicht. Von den jetzt 23 Weltjugendtagen seit 1985 besuchte nur zehn ein Papst. Benedikt XVI. war schon 2005 in Köln – beim „WJT“ – und wird seinen ersten Auftritt in Sydney an diesem Donnerstag haben. Der Papst kommt zu Schiff, weil es vor drei Jahren so eindrucksvoll war, wie er auf dem Rhein Einzug hielt und viele wagemutige Jugendliche ihm durch den Strom entgegenschritten. Ohne Unfall!

          Andacht mit Kardinal-Erzbischof George Pell

          Der Kölner WJT-Rucksack war blau, in Sydney gibt es jetzt rot-orange-gelbe Rucksäcke. Die Mädchen und Jungen tragen sie zu Tausenden durch die Straßen der Innenstadt. Manchmal ist eine Ordensschwester oder ein Priester in einer Kleingruppe dabei, meist aber nicht. Es geht auch ohne, jedenfalls abseits des offiziellen Programms, das natürlich auch fromme Übungen, Messen, Katechese und Diskussionen vorsieht.

          225.000 Teilnehmer haben sich angemeldet

          Die Fußgängerbrücke über dem Hafenbecken des „Darling Harbour“ ist zum Laufsteg geworden. Eine Gruppe aus Hawaii tritt in hellgrünen Hemden und bastbraunen Röcken auf. Auch den Brasilianern steht das Grün ihrer Nationalfarbe gut. Ein paar Afro-Pariser erzählen, sie verbänden mit der Reise nach Australien einen Abstecher nach Madagaskar und Mauritius. Der Hafen wird für alle zur Drehbühne von ein paar hundert Metern, auf denen man sich bald wiedererkennt – obwohl es so viele sind.

          225.000 Teilnehmer haben sich aus allen Kontinenten angemeldet, die meisten leben auf dem fünften. Ein paar Italiener mobilisieren ihre kargen Englischkenntnisse, um australische Mädchen nach dem lieben Gott zu fragen. Als einzige Flagge zeigen sie die weißgelbe des Vatikans. Deutsche schließen Fußballfrieden mit Jugendlichen aus dem Land, das seit kurzem Europameister ist – die spanische Nationalmannschaft hat im Finale ja auch wirklich besser gespielt.

          „God bless you, Sir!“

          Das deutsche Kontingent zählt nach offiziellen Angaben 6000 Jugendliche. Anders als manche andere Nation zeigen die deutschen Mädchen und Jungen gern Flagge. Oft schallt ihnen ein freundliches „Germany“ entgegen. Schwarz-Rot-Gold passt gut zu den Rucksäcken, und die Deutschen passen gut in diese bunte Gemeinschaft, weil sie fremdsprachlich flexibel sind. So mancher macht sein Glück als Dolmetscher. Wenn zwei sich treffen, die schon 2005 in Köln dabei waren, finden sich Freunde fürs Leben. Eine erzählt, ihre pädagogisch denkende Omi habe ihre Reise gesponsert. Derweil bringt eine Blaskapelle des „Marianums“ in Fulda Gruppen aus allen Teilen des Globus in Schwung.

          Drei Mädchen aus Bayern, die noch keine offiziellen Farben tragen, wollen versuchen, auch ohne Teilnehmerkarte zur Messe mit dem Papst am Sonntag zu gehen. Sie sind bei Gastfamilien in Australien und jetzt einfach aus Neugier nach Sydney gefahren. Der Kellner im „Jordons“, einem feinen Fisch- und Krustentier-Restaurant am Darling Harbour, sagt ohne Bedauern, der „WYD SYD 2008“ bringe ihm nicht mehr Geschäft. Zwar seien am Vorabend acht Kardinäle dagewesen, die Stammkunden blieben in dem Trubel aber eher weg. Als der Kellner sagt, er beobachte die Pilger gern, wiegt er sich zu einem afrikanischen Rhythmus.

          Der Schiffsmeister an der Hauptanlegestelle der Fähren lobt das anständige Verhalten der jungen Leute: kein Dreck, keine Drogen, kein Gröhlen. Außerdem würden einige auf eine Auskunft hin so nett „God bless you, Sir!“ sagen. Dass Gott ihn segnen solle, das habe sehr, sehr lange niemand mehr zu ihm gesagt.

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