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Labour-Chef Jeremy Corbyn : Staatsmann und Marxist

Jeremy Corbyn liest den Austrittsvertrag, den Theresa May mit der EU ausgehandelt hat. Bild: Reuters

Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte in der großen Debatte um den Brexit bisher stets eine unklare Position eingenommen. Sein Einfluss wuchs trotzdem immer weiter. Wer ist der Mann, den nicht nur Konservative einen „Marxisten“ nennen?

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          Selten hat man Jeremy Corbyn so staatsmännisch gesehen wie in den vergangenen Tagen. Krawatte trägt er schon länger, aber nun tritt er gelegentlich auch mit Brille auf, und sogar seine Stimme scheint mehr Gravitas bekommen zu haben. Viele in der Konservativen Partei glauben, die Premierministerin habe Corbyn mit ihrem Angebot, den Brexit mitzugestalten, ein goldenes Ticket verschafft. Unversehens landete der Labour-Chef in einer Position, in der er zur Schau stellen darf, was ihm bisher fehlte: Statur und Verantwortung.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Schon vorher hatte Corbyn einige Defizite aufgeholt. Als er im September 2015 völlig überraschend von der Hinterbank auf den Posten des Partei- und Fraktionschefs geschleudert wurde, dachten viele, er würde schon aus karrierebiographischen Gründen scheitern. Nie hatte Corbyn eine Position mit Personalverantwortung innegehabt. Seine Führungserfahrung beschränkte sich auf ein kleines Abgeordnetenbüro in Westminister. Aber er schlug sich wacker und zeigte vor allem Nervenstärke. Er überlebte mehrere Aufstände in seiner Fraktion, und als es gar nicht mehr anders ging, stellte er sich einfach noch einmal, erfolgreich, zur Urwahl.

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