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Religionsführer im Libanon : Moralische Autoritäten

Zwischen Religion und Politik: Hassan Diab (2.v.l), Ministerpräsident des Libanons, und Scheich Abdel Latif Darian (3.v.l), Großmufti des Libanons, kommen anlässlich des Eid al-Fitr zum Beten in die Mohammed-al-Amin-Moschee. Bild: dpa

Im Libanon moderieren die religiösen Führer zwar die politischen Konflikte. Doch die geistlichen Oberhäupter der Muslime und Christen sind keine Kräfte des Wandels in dem zerrissenen Land.

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          Im Libanon sind die geistlichen Institutionen der 18 anerkannten Religionsgemeinschaften ebenso ein Teil der Lösung wie ein Teil der Probleme des Landes. Zum einen greifen sie zwar als moderierende Vermittler in Konflikte ein, und die Politiker können sich der moralischen Autorität der Oberhäupter dieser Institutionen in der Regel nicht entziehen. Zum anderen aber sind sie nicht an einer grundlegenden Veränderung des politischen Systems interessiert, dem sie ihre hervorgehobene Stellung verdanken.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Wenige Länder sind in dem Maße religiös heterogen wie der Libanon. Von den 18 Religionsgemeinschaften entfallen fünf auf den Islam – Sunniten, Schiiten, Drusen, Ismailiten und Alawiten. Die Christen stellen zwölf Kirchen, von denen die maronitische die größte ist, gefolgt von der griechisch-orthodoxen. Eine kleine jüdische Gemeinde kommt hinzu. Um den gesellschaftlichen Frieden zwischen den Gruppen sicherzustellen, trat 1943, als Frankreich den Libanon in die Unabhängigkeit entließ, der Nationalpakt in Kraft. Er schrieb die Verteilung der politischen Ämter zwischen den großen Konfessionen fest. Das Abkommen von Taif, das 1989 den Bürgerkrieg beendete, modifizierte den Nationalpakt nur leicht.

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