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Lager im Bosnienkrieg : In der Hölle von gestern

Im Sommer 1992, zu Beginn des Kriegs in Bosnien-Hercegovina, war das „Weiße Haus“ die Folterkammer des von Serben betriebenen Lagers Omarska. Bild: Angelika Hinterbrandner

Im Bosnien-Krieg wurde Nusreta Sivac gefoltert und vergewaltigt. Heute lebt sie wieder am Tatort. Denn nur in ihrer Heimatstadt Prijedor fühlt sie sich zu Hause.

          9 Min.

          Die beiden Männer dort drüben zum Beispiel, die Zigaretten rauchen und Kaffee trinken und sich Geschichten erzählen. Oder der Familienvater am großen Tisch in der Ecke, der seinen Geburtstag feiert mit Freunden und Familie. Und der Kellner, wie steht es mit dem Kellner? Auch er hätte schließlich das richtige Alter. Nusreta Sivac sieht sich um. Nein, hier kennt sie niemanden. Und offenbar kennt auch niemand sie. Das ist gut. „Wissen Sie, ich habe mir lange nicht vorstellen können, jemals wieder in dieser Stadt zu leben.“ Diese Worte fallen leise, denn niemand an den Nebentischen soll sie hören können. So vorsichtig wird Nusreta Sivac zweieinhalb Stunden lang sprechen in dem Restaurant eines Motels am Stadtrand, das sie als Treffpunkt vorgeschlagen hat.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          „Noch Jahre nach dem Krieg war ich der Ansicht, dass es vollkommen unmöglich sein würde, hierher zurückzukommen. Und als ich doch zurückkam, dachte ich, dass ich es nicht aushalten werde. Dass es zu viel ist für mich. Dass ich kein Recht habe, mich so zu quälen.“ Aber sie habe sehen wollen, ob sie es aushalten könne. „Ich habe mich geprüft.“ Nusreta Sivac erzählt davon, wie sie das erste Mal nach dem Krieg wieder zurückkam in die Stadt, anfangs nur für einige Stunden. „Es war eine schreckliche Explosion der Emotionen. Nach so vielen Jahren wieder in meiner Stadt. Man wusste noch immer nicht, was mit vielen Menschen passiert war und wo ihre Gräber sind.“

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