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Weiteres Ausspähprogramm entlarvt : NSA will „Mystic“ weiter ausbauen

  • -Aktualisiert am

NSA-Direktor Keith Alexander: Datensammeln „für die nationale Sicherheit“ Bild: dpa

Der amerikanische Militärgeheimdienst NSA rechtfertigt sein Spionageprogramm namens „Mystic“. Offenbar ist der Geheimdienst sogar bestrebt, die voluminöse Datenkrake auf mindestens sechs weitere Länder auszudehnen - und stellt sich damit selbst vor technische Probleme.

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          Der amerikanische Militärgeheimdienst NSA hat sich dafür gerechtfertigt, dass er in mindestens einem Land sämtliche Telefongespräche aufzeichnet. Zwar bestätigte der Nachrichtendienst jüngste Berichte über ein Spionageprogramm namens „Mystic“ nicht direkt. Doch teilte die NSA mit, sie verschaffe sich „in keinem Land und nirgendwo auf der Welt“ Informationen, sofern dies nicht „für die nationale Sicherheit und außenpolitischen Interessen“ der Vereinigten Staaten „notwendig“ sei.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Die „Washington Post“ war durch ein von dem früheren Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden entwendetes Dokument auf das NSA-Programm „Mystic“ aufmerksam geworden. Demnach hatte die NSA im Jahr 2011 die Fähigkeit erreicht, „hundert Prozent“ der in einem bestimmten Land geführten Telefonate mitzuschneiden und für 30 Tage zu speichern. Dadurch konnten die Analysten rückwirkend Gespräche anhören, die eine neu in Verdacht geratene Person geführt hatte.

          Neben der „Washington Post“ weiß offenbar auch die „New York Times“, um welches Land es sich handelt; auf Wunsch der Regierung teilen die Zeitungen dies den Lesern aber nicht mit. Offenbar ist die NSA bestrebt, das umfassendste ihrer bisher bekannt gewordenen Spähprogramme auf mindestens sechs weitere Länder auszudehnen.

          Die Menge der weiterzuleitenden und zu speichernden Daten stellt den Dienst vor technische Probleme. Es heißt, die Analysten hörten weit weniger als ein Prozent der aufgezeichneten Gespräche ab. Schon das führe monatlich zu Millionen von Tondateien, die zur weiteren Analyse und langfristigen Aufbewahrung bestimmt würden. Für die amerikanische Debatte über die NSA spielt es eine besondere Rolle, dass zu den mitgeschnittenen Telefonaten auch solche zählen, die mit Amerikanern geführt wurden. Das wirft verfassungsrechtliche Fragen auf.

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