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Weitere Eskalation? : Nordkorea droht mit weiteren Angriffen

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach dem Artillerie-Angriff auf eine südkoreanische Insel setzt Nordkorea seine Drohgebärden fort. Südkoreas Verteidigungsminister ist unterdessen zurückgetreten, die Regierung in Seoul verschärft nun die Einsatzregeln für das Militär. China ruft beide Seiten zu „äußerster Zurückhaltung“ auf.

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          Auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich die Lage vor einem geplanten Manöver der südkoreanischen und amerikanischen Truppen zu. Während Nordkorea neue Drohungen aussprach, kündigte Südkorea eine Verstärkung seiner Grenztruppen an. Man sei „ohne Zögern bereit, starke zweite und dritte physische Vergeltungsschläge durchzuführen, sollten die südkoreanischen Kriegstreiber weitere verwegene militärische Provokationen unternehmen“,in einer von den staatlichen Medien veröffentlichten Erklärung des Militärs in Pjöngjang..

          In der Erklärung wurden südkoreanisch-amerikanische Militärübungen zu Beginn der Woche als Auslöser für das Artilleriebeschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong bezeichnet, bei dem vier Menschen getötet wurden. Die neuen Drohungen gelten als Reaktion auf die Ankündigung eines amerikanische-südkoreanischen Seemanövers im Gelben Meer.

          Südkoreanischer Verteidigungsminister tritt zurück

          Zwei Tage nach dem nordkoreanischen Granatenangriff auf die Insel Yeonpyeong ist unterdessen Südkoreas Verteidigungsminister zurückgetreten. Staatspräsident Lee Myung-bak nahm am Donnerstag das Rücktrittsgesuch von Ressortchef Kim Tae-yeoung an, wie das Präsidialamt in Seoul mitteilte. Kim habe mit seinem Rücktritt „die Verantwortung für die jüngste Serie von Vorfällen übernehmen“ wollen.

          Weitere Eskalation? : Nordkorea droht mit weiteren Angriffen

          Der Schritt erfolgte inmitten zunehmender Kritik an der Reaktion des südkoreanischen Militärs auf den Granatenbeschuss. Unter anderem hatten Abgeordnete der Militärführung vorgeworfen, zu spät und zu lasch reagiert zu haben. Südkorea hatte als Gegenschlag 80 Granaten abgeschossen - so viele wie nordkoreanische auf der Insel eingeschlagen waren. Parlamentsabgeordnete hatten dagegen einen Luftangriff auf nordkoreanische Artillerie-Stellungen gefordert. Verteidigungsminister Kim hatte dies zurückgewiesen und davor gewarnt, dass dies einen „richtigen Krieg“ auslösen könne.

          Nun plant Südkorea eine Verschärfung der Einsatzregeln für sein Militär. Damit soll auf „nordkoreanische Provokationen“ künftig härter reagiert werden, ließ Präsident Lee mitteilen. „Die bestehenden Einsatzregeln, die als eher passiv gelten, werden komplett überarbeitet“, heißt es in der Erklärung. Demnach sind verschiedene Stufen von Gegenschlägen geplant, je nachdem ob zivile oder militärische Ziele angegriffen werden. Die Bodentruppen entlang der Grenze zwischen Nord- und Südkorea sollen den Angaben zufolge „drastisch“ verstärkt werden. Ein Beschluss aus dem Jahr 2006 zur Truppenreduzierung bei den Marineinfanteristen werde rückgängig gemacht.

          Wen Jiabao mahnt zur Zurückhaltung

          Chinas Regierungschef Wen Jiabao hat unterdessen beide Seiten zu „äußerster Zurückhaltung“ aufgerufen. Nach Gesprächen mit Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew sagte Chinas Premier in Moskau, China lehne „jede Form von militärischer Provokation“ ab.

          Zu dem südkoreanisch-amerikanischen Seemanöver äußerte sich Wen Jiabao nicht direkt, doch warnten chinesische Experten in den Staatsmedien, dass die Übungen die Situation verschärfen könnten. Chinas Regierung hatte sich schon früher immer kritisch über solche Manöver geäußert. „Die internationale Gemeinschaft sollte größere Anstrengungen unternehmen, um die Spannungen abzubauen“, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua Wen Jiabao.

          Der chinesische Regierungschef beschrieb die Lage als ernst und kompliziert. Eine Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche zwischen Nordkorea, Amerika, China, Südkorea, Japan und Russland sei der beste Weg, um zu Stabilität und einer koreanischen Halbinsel ohne Atomwaffen zu gelangen. Das Außenministerium in Peking rief Nord- und Südkorea zu „möglichst baldigen Gesprächen auf, um zu verhindern, dass ähnliche Zwischenfälle wieder passieren“. China lehne jede Aktivität ab, die Frieden und Stabilität auf der Halbinsel beeinträchtige.

          Washington: China muss klares Signal an Nordkorea senden

          Dagegen erhöhen die Vereinigten Staaten den Druck auf Pjöngjang. China wurde von Washington aufgefordert, klar gegen den kommunistischen Nachbarn Stellung zu beziehen. Peking müsse ein deutliches Signal an Pjöngjang senden, dass es die provokativen Akte gegen Südkorea beenden müsse, sagte ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums am Mittwoch in Washington. China solle klar machen, dass es die Verantwortung für die aktuellen Spannungen eindeutig bei Nordkorea sehe.

          Schon zuvor hatte der amerikanische Präsident Barack Obama die Bündnis- Partnerschaft mit Seoul bekräftigt und sich „empört“ geäußert. Auch will Obama die internationale Gemeinschaft zu einem geschlossenen Vorgehen gegen Nordkorea bewegen.

          Für das Großmanöver auf See mit Südkorea haben die Amerikaner den atombetriebenen Flugzeugträger „USS George Washington“ ins Gelbe Meer geschickt. Das Manöver vor der Westküste soll an diesem Sonntag beginnen und vier Tage dauern. Südkorea, das dem Nachbarland schwere Provokation vorwarf, will die unter Beschuss geratene Insel Yonpyong vor der Westküste stärker bewaffnen.

          Bei dem Angriff am Dienstag wurden vier Menschen getötet. Es war einer der schwersten Zwischenfälle seit dem Koreakrieg (1950-1953). Nach jüngsten Angaben des Generalstabs in Seoul feuerte Nordkorea am Dienstag mehr als 170 Granaten ab. Davon seien 80 auf der nahe der Seegrenze liegenden Insel eingeschlagen. Südkorea habe das Feuer mit 80 Schüssen erwidert. Das Gefecht dauerte danach rund eine Stunde. Zwölf Militäreinrichtungen und 18 zivile Gebäude wurden nach offiziellen Angaben zerstört oder zum Teil beschädigt.

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