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Verlegung der Botschaft : Weiter Proteste nach Anerkennung Jerusalems

Muslime demonstrieren am Sonntag in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens. Bild: dpa

Die Proteste gegen Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, reißen nicht ab. In Indonesien gingen 80.000 Menschen auf die Straße. In den palästinensischen Gebieten kam es zu Ausschreitungen.

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          Auch noch nach eineinhalb Wochen gibt es Proteste gegen Donald Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. In Indonesien demonstrierten am Sonntag Zehntausende gegen die Erklärung des amerikanischen Präsidenten vom 6. Dezember. Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 80.000 Demonstranten im Zentrum der Hauptstadt Jakarta nahe der amerikanischen Botschaft.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Unter ihnen waren ranghohe Politiker, etwa der Minister für religiöse Angelegenheiten und der Gouverneur von Jakarta. Der Vorsitzende des obersten Religionsrats des Landes, Maruf Amin, rief den Demonstranten zu: „Wir unterstützen den Kampf der Palästinenser für einen unabhängigen Staat mit Jerusalem als seiner Hauptstadt!“ Indonesien, das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt, hatte Trumps Schritt scharf verurteilt.

          Die Vereinigten Staaten sind das erste Land, das Israels Anspruch auf Jerusalem als Hauptstadt offiziell anerkennt. Israel hatte den Ostteil der Stadt 1967 erobert und betrachtet ihn als israelisches Staatsgebiet. Die Palästinenser fordern Ostjerusalem als Hauptstadt eines eigenen Staates.

          In den palästinensischen Gebieten war es zuvor abermals zu Protesten gekommen. Dabei wurden am Freitag bei Zusammenstößen mit dem israelischen Militär an der Grenze des Gazastreifens vier Palästinenser getötet und etwa 400 weitere verletzt. Die Armee erklärte nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur, etwa 3500 Palästinenser hätten Brandflaschen und Steine auf Soldaten geworfen und brennende Reifen in ihre Richtung gerollt. Soldaten hätten gezielt auf Anführer geschossen.

          Die Führung der Palästinenser kündigte unterdessen an, sich vorerst nicht mehr mit amerikanischen Vermittlern zu treffen. Dies betreffe auch Nahost-Chefunterhändler Jason Greenblatt und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, sagte ein Berater von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Sonntag der israelischen Online-Zeitung „Times of Israel“.

          Die Palästinenser sind erzürnt über Äußerungen eines ranghohen amerikanischen Regierungsvertreters vom Freitag, wonach kein Szenario vorstellbar sei, in dem die Klagemauer in der Jerusalemer Altstadt nicht zu Israel gehören würde. Abbas’ Berater Nabil Abu Rudeineh sagte am Samstag, diese Position bestätige, dass die derzeitige amerikanische Regierung kein fairer Vermittler mehr im Friedensprozess sein könne.

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