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„Sea Watch 3“-Kapitänin : Rackete macht deutscher Regierung Vorwürfe

  • Aktualisiert am

Die 31-Jährige Carola Rackete echauffierte sich vor allem über Innenminister Horst Seehofer: Er habe „keine Lust“ gehabt, zu helfen. Bild: Reuters

In einem ersten Interview nach ihrer Freilassung äußert sich die „Sea Watch 3“-Kapitänin Carola Rackete kritisch gegenüber der deutschen Regierung. Vor allem Innenminister Seehofer attackiert sie.

          Die Kapitänin der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch hat die Bundesregierung und insbesondere Innenminister Horst Seehofer wegen ihres Umgangs mit den geretteten Migranten kritisiert. „Ich fühlte mich alleingelassen“, sagte die 31-Jährige dem „Spiegel“.

          Rackete war am Dienstag von einer italienischen Ermittlungsrichterin aus dem Hausarrest entlassen worden. Zuvor war sie unerlaubt mit dem Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ und 40 Migranten an Bord nach Lampedusa gefahren. Während das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch auf eine Anlegeerlaubnis wartete, habe Rackete den Eindruck gehabt, dass auf nationaler und internationaler Ebene niemand richtig helfen wollte. „Die haben die heiße Kartoffel immer weitergereicht, während wir zuletzt noch immer 40 Gerettete bei uns an Bord hatten“, sagte sie. Deutsche Kommunen hätten zwar angeboten, Migranten von der „Sea-Watch 3“ aufzunehmen. „Es scheiterte dann aber auch an Bundesinnenminister Horst Seehofer, der keine Lust hatte, die Angebote der Städte anzunehmen.“

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          Rackete kritisierte auch den italienischen Innenminister Matteo Salvini. „Mich hat überrascht, wie persönlich es geworden ist“, sagte sie. „Seine Art, sich auszudrücken, ist respektlos, für einen Spitzenpolitiker ist das nicht angemessen.“ Am Freitag nannte der Rechtspopulist Salvini Rackete auf Facebook eine „reiche und verwöhnte deutsche Kommunistin“. Racketes Anwalt Alessandro Gamberini bereitet unter anderem wegen dieser Aussage eine Verleumdungsklage gegen Salvini vor. Dem Radio Cusano Campus sagte er am Freitag, es sei nicht einfach, alle Beleidigungen, die Salvini in diesen Wochen gemacht habe, zu sammeln. Salvini habe nicht nur Beleidigungen ausgesprochen, sondern auch zu strafbaren Handlungen angestiftet. Das sei noch schwerwiegender, wenn es ein Innenminister tue, sagte Gamberini, der allerdings wenig Hoffnung auf ein Ende der „Wellen des Hasses“ hat: „Es ist, wie mit einem Eimer den Sand aus dem Meer zu schaufeln.“ Es gehe aber darum, ein Zeichen zu setzen.

          Am Dienstag soll Rackete selbst von der Staatsanwaltschaft vernommen werden. Es geht um den Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Migration. Salvini will sie schnellstmöglich des Landes verwiesen sehen. „Es ist keine Situation, die ich mir gewünscht habe. Ich bin sowieso nur eingesprungen für einen Kollegen, der eigentlich eingeplant war“, sagte Rackete.

          Wegen Verleumdung will der Anwalt von Carola Rackete den italienischen Innenminister Salvini verklagen.

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