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Anhaltend hohe Neuinfektionen : Italien schließt wieder flächendeckend Schulen

Schüler protestieren am Mittwoch vor dem Bildungsministerium in Rom gegen die geplanten Corona-Maßnahmen an weiterführenden Schulen. Bild: EPA

Im Kampf gegen Corona setzt Italiens Regierung auf neue Maßnahmen. Das ganze Land wird je nach Infektionsgeschehen in drei Risikozonen eingeteilt. Von Freitag an wird der Präsenzunterricht in den höheren Schulen in vier Regionen weitgehend eingestellt.

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          Italien schließt angesichts der andauernd hohen Zahl von Corona-Neuinfektionen als erstes großes europäisches Land in vier besonders betroffenen Regionen wieder flächendeckend Schulen. Von Freitag an wird der Präsenzunterricht in den höheren Schulen in der Lombardei, in Ligurien, in Kalabrien und dem Aostatal weitgehend eingestellt. Betroffen davon sind rund zweieinhalb Millionen Schüler, die vorerst bis zum 3. Dezember digital unterrichtet werden sollen. Eine Ausnahme wird nur für die Eingangsklassen gemacht, für die auch weiterhin Präsenzunterricht erteilt werden soll. Grundschulen und Kindergärten bleiben hingegen geöffnet.

          Thomas Jansen
          Redakteur in der Politik.

          Die Schulschließung gehört zu einem neuen Maßnahmenpaket der Regierung von Ministerpräsident Giuseppe Conte, die das gesamte Land in drei Risikozonen einteilt, die landläufig mit den Farben gelb, orange und rot bezeichnet werden. Unter den insgesamt 21 Kriterien für die Einteilung sind die Zahl der Infizierten je 100.000 Einwohner, die Sieben-Tage-Inzidenz, die Belegung der Krankenhausbetten in einer Region insgesamt sowie die Auslastung der Intensivstationen.

          In jenen vier Regionen, die zur roten Zone zählen, wird das öffentliche Leben in vielen Bereichen auf den Stand des Lockdowns vom März heruntergefahren. Unternehmen sollen jedoch nicht geschlossen werden. Das Verlassen des Wohnorts und der Heimatregion ist in der roten Zone nur noch gestattet, um zum Arbeitsplatz zu gelangen, einen Arzt zu besuchen oder wenn es sich um Notfälle handelt. Landesweit gelten zudem von Freitag an nächtliche Ausgangssperren von 22 Uhr bis 5 Uhr. Zudem müssen alle Museen und Ausstellungen schließen. Nach 15 Tagen will die Regierung über eine weitere Verlängerung der Einschränkungen entscheiden.

          Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen ist in Italien seit Tagen auf einem konstant hohen Niveau; am Mittwoch lag sie bei 30.550, an den Vortagen etwas höher. Die Zahl der gemeldeten Covid-19-Toten hat sich in den vergangenen vier Wochen von 18 am 4. Oktober, auf 337 am Mittwoch erhöht; am Vortag waren es 352. Das entspricht dem Stand von Anfang Mai.

          Der Regionalpräsident der Lombardei, Attilio Fontana, kritisierte die Entscheidung der Regierung scharf. Sie sei „ein Schlag ins Gesicht für die Lombardei und die Lombarden“, sagte der Politiker der rechtspopulistischen Lega von Matteo Salvini. Es sei „inakzeptabel“, dass Conte dies ohne eine „belastbare und glaubwürdige Begründung“ während der „Abendessenszeit“ mitgeteilt habe.

          Ministerpräsident Conte verteidigte die Entscheidung seiner Regierung, erstmals in dieser Form – nach Regionen differenziert – Corona-Maßnahmen zu verhängen. Ein solches Vorgehen diene der nationalen Einheit, sagte Conte.

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