https://www.faz.net/-gpf-7nd8d

Washington will die Ukraine nicht aufrüsten : Brot statt Bomben

  • -Aktualisiert am

Bedingt abwehrbereit: Verteidigungsminister Ihor Tenjuch (l.) und Interims-Präsident Oleksandr Turtschinow besuchen die ukrainischen Truppen bei einem Manöver nahe der Stadt Goncharivsk Bild: AFP

Die Ukraine hatte sich Waffen, Munition und Aufklärung aus Amerika erhofft. Doch die Regierung von Präsident Barack Obama ist fürs Erste nur bereit, abgepackte Tagesrationen nach Kiew zu schicken.

          2 Min.

          Die Ukraine hatte sich Waffen, Munition und Aufklärung aus Amerika erhofft. Doch die Regierung von Präsident Barack Obama ist fürs Erste nur bereit, abgepackte Tagesrationen nach Kiew zu schicken. Die abermalige Massierung russischer Soldaten zu einem Großmanöver im Grenzgebiet zur Ukraine – „kurzfristig und ohne viel Transparenz“, wie ein hoher Vertreter der amerikanischen Regierung beklagt – bereitet dem Weißen Haus zwar Sorgen. Doch sosehr Washington bestrebt ist, die neue Kiewer Führung zu unterstützen, so gründlich will es den Anschein vermeiden, auf eine militärische Konfrontation mit Russland zuzusteuern.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ hatte die Übergangsregierung von Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk dem Pentagon eine lange Wunschliste zugeleitet. Die amerikanischen Regierungsvertreter verrieten zwar nicht, welche Waffensysteme Kiew zu welchem Zweck verlangt habe. Sie ließen aber durchblicken, dass eine Zusage auf eine erhebliche Militärhilfe hinausgelaufen wäre.

          Im Falle einer russischen Invasion allerdings stünden die ukrainischen Kräfte selbst mit solcher Unterstützung auf verlorenem Posten. Verteidigungsminister Ihor Tenjuch ist zu dem Schluss gekommen, dass die Streitkräfte nicht nur seit der Unabhängigkeit des Landes vernachlässigt worden seien, sondern dass die russlandfreundliche Regierung des gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch die Verteidigungsbereitschaft der Ukraine gezielt unterminiert habe.

          Öffnen

          Während laut Plan die Hälfte der 41.000 Infanteristen einsatzbereit sein sollten, könne er lediglich auf 6000 Mann zählen. Nur noch „Taktik und Kampfgeist“ blieben den Truppen, sagte Tenjuch im Parlament. Kampfgeist mag den Minister denn auch bewogen haben, ein Angebot großzügig misszuverstehen, das ihm Amerikas Verteidigungsminister Chuck Hagel vorige Woche gemacht haben soll. Jede Anfrage werde geprüft, versprach Hagel in einem Telefonat angeblich – aber dabei soll es um humanitäre Hilfe gegangen sein. „In diesem Moment“ erwögen die Vereinigten Staaten keine Bewaffnung der Ukraine, ließen sich Regierungsmitarbeiter nun zitieren. Während die amerikanischen Streitkräfte ihre Präsenz in Polen und im Baltikum verstärkt haben, habe man Kiew klargemacht, dass Washington vorerst nur an wirtschaftlicher Zusammenarbeit interessiert sei. Der Republikaner John McCain nannte diese Botschaft „zutiefst verstörend“.

          Jazenjuk indes hatte diese Woche in Washington mehrmals hervorgehoben, wie „zufrieden“ er mit der Reaktion der Amerikaner und der Europäer sei. In New York wechselte er am Donnerstag auf einer weiteren Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats aus dem Englischen ins Russische, um Moskaus Botschafter Witalij Tschurkin direkt zu fragen: „Wollen die Russen einen Krieg?“ Tschurkin antwortete später: „Russland und die Russen möchten keinen Krieg. Ich vermute, die Ukrainer auch nicht.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Helene Fischer in Düsseldorf

          F.A.S. exklusiv : Aufstand der Stars

          Die großen Plattenfirmen in Deutschland bekommen Ärger. Manager zahlreicher Rock-, Pop- und Schlagerstars wollen, dass die Musiker stärker an den sprudelnden Einnahmen aus dem Musikstreaming beteiligt werden.
          In diesem Haus in Starnberg wurden die Leichen gefunden.

          Mord statt Suizid in Starnberg : „Passt das zu den Spuren?“

          Nach dem gewaltsamen Tod einer Familie in Starnberg hat die Polizei zwei Verdächtige festgenommen. Ein 19 Jahre alter Bekannter des getöteten Sohnes hat das Verbrechen gestanden. Wie kam die Polizei ihm auf die Spur?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.