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Gespräche im Weißen Haus : Was will Amerika von Serbien und vom Kosovo?

Ein Transparent vor dem Regierungsgebäude in Belgrad im September Bild: AP

Das Kosovo ist für Amerika längst nicht mehr so wichtig, wie unter früheren Präsidenten. Eine Einigung zwischen Belgrad und Prishtina wäre hochwillkommen. Erst einmal geht es um die Wirtschaft.

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          Einst konnte sich auch das Kosovo auf Washington verlassen. Unter Führung von Präsident Bill Clinton bombardierte die Nato 1999 Serbien, um der Belgrader Unrechtsherrschaft über die Kosovo-Albaner ein Ende zu setzen und den serbischen Staat vom Amselfeld zu vertreiben. Clintons Nachfolger George W. Bush sorgte dafür, dass das Kosovo 2008 mit vehementer amerikanischer Unterstützung die staatliche Unabhängigkeit erklären konnte. Für Barack Obama war das kosovarische Dossier zwar nur noch eine Nebensache, doch an der grundsätzlichen Ausrichtung der amerikanischen Balkanpolitik änderte das nichts. Als Obamas Stellvertreter Joe Biden im Mai 2009 auf der letzten Station einer Balkan-Tour einen umjubelten Auftritt im Kosovo absolvierte, machte er das deutlich. Die Eigenständigkeit des Kosovos sei irreversibel und der Erfolg des jungen Staates eine Priorität Washingtons, versicherte Biden bei einer Rede im Parlament in Prishtina. Er zeigte sich erfreut darüber, dass schon mehr als 60 Staaten die kosovarische Unabhängigkeit anerkannt hatten.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Inzwischen haben mehr als 100 Staaten das Kosovo anerkannt, doch ausgerechnet die Unterstützung Washingtons ist nicht mehr so eindeutig wie noch vor einem Jahrzehnt. Seit Donald Trump regiert, hat sich für das Kosovo, dessen Bevölkerungsmehrheit muslimisch ist, der Wind gedreht. Besonders deutlich hat das Douglas Macgregor zum Ausdruck gebracht, den Trump als seinen neuen Botschafter nach Deutschland entsenden will. Wie der Sender CNN unlängst berichtete, kritisiert der ehemalige Militär die Intervention von 1999 im Rückblick mit kulturkämpferischer Schärfe. Als Ergebnis des Eingreifens gegen die „orthodox-christlichen Serben“ habe man einer „muslimischen Rauschgiftmafia“ das Kosovo übergeben – und das auch noch als Erfolgsgeschichte für die Demokratie bezeichnet, so Macgregor demnach. Dabei hätten die Amerikaner an der Seite der Albaner nichts verloren: „Diese Leute waren nie unsere Freunde. Sie werden nie unsere Freunde sein. Sie sind unheilbar feindselig. Ich rede über die sunnitischen Islamisten“, zitierte CNN den designierten Botschafter in Berlin.

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