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Spannung an der Grenze steigt : Washington warnt Maduro: „Die Welt sieht zu“

  • Aktualisiert am

Venezuelas selbsternannter Übergangspräsident Juan Guaidó beim „Venezuela Live Aid“ Konzert im kolumbianischen Grenzort Cúcuta Bild: Reuters

Sollte Venezuelas Militär Gewalt anwenden, werde dies „nicht ungestraft“ bleiben, erklärt das Weiße Haus. Derweil besucht Übergangspräsident Guaidó trotz Ausreiseverbots Richard Bransons Benefizkonzert in Kolumbien.

          Angesichts der Spannungen entlang der Grenze Venezuelas zu den Nachbarländern wegen der dort lagernden humanitären Hilfe hat Washington das venezolanische Militär vor weiterer Gewaltanwendung gewarnt. Zudem wurde der Tod zweier Angehöriger eines indigenen Stamms bei einem Militäreinsatz in der am Freitagabend verbreiteten Erklärung des Weißen Hauses auf das Schärfste verurteilt.

          Da Präsident Nicolás Maduro vor der am Wochenende erwarteten Transporte mit Hilfsgütern die Grenzen hat schließen lassen, wurden der Staatschef und seine Anhänger darauf hingewiesen, dass jeder Verstoß gegen Menschenrechte „nicht ungestraft“ bleiben werde. Das Militär wurde an seine verfassungsmäßige Aufgabe erinnert, das Volk zu beschützen, und humanitäre Hilfe ungehindert ins Land zu lassen. „Die Welt sieht zu“, schloss die Erklärung des Weißen Hauses.

          Am Samstag könnte es an der Grenze zum Showdown kommen: Tausende freiwillige Helfer wollen die bereits in Cúcuta bereitstehenden Hilfsgüter nach Venezuela schaffen. Staatschef Maduro sieht in der humanitären Hilfe allerdings einen Vorwand für eine militärische Intervention in dem südamerikanischen Land und hat die Streitkräfte angewiesen, die Lieferungen nicht passieren zu lassen.

          Venezolanische Militärs helfen Guaidó bei Ausreise

          Unterdessen hat der selbsternannte venezolanische Übergangspräsident Juan Guaidó ein Benefizkonzert seiner Anhänger im kolumbianischen Grenzort Cúcuta besucht – trotz Ausreisesperre. In der Nähe der Bühne traf er auf den kolumbianischen Staatschef Iván Duque. Guaidó wurde während seines Besuchs von zahlreichen Polizisten geschützt.

          Guaidó wurde nach eigenen Worten bei seiner Ausreise durch die venezolanische Armee unterstützt. Mit deren Hilfe habe er die Sperrungen der Grenzübergänge zu Luft, Wasser und Land überwunden, sagte der Oppositionspolitiker vor Journalisten. Während seiner Erklärung standen neben Duque auch die Präsidenten von Chile und Paraguay sowie der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) neben Guaidó. Insbesondere die Nationalgarde habe bei seiner Ausreise eine „entscheidende“ Rolle gespielt, fügte Guaidó hinzu. Das Militär ist bislang die wichtigste Stütze des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro.

          Zu dem Konzert in Cúcuta waren zehntausende Anhänger Guaidós gekommen. An der auf Initiative des britischen Milliardärs Richard Branson zustande gekommenen Veranstaltung „Venezuela Aid Live“ nahmen Stars wie Alejandro Sanz und Miguel Bosé aus Spanien, Juanes aus Kolumbien und der durch den Hit „Despacito“ bekannte Puertoricaner Luis Fonsi teil. Der Erlös soll der Bevölkerung in dem südamerikanischen Krisenstaat zugutekommen.

          An der nur rund 300 Meter entfernten Gegenveranstaltung des Linksnationalisten Maduro auf venezolanischer Seite nahmen weniger Menschen teil. Zunächst kamen rund 2500 Besucher zu dem Konzert unter dem Motto „Hände weg von Venezuela“.

          UN bleiben neutral – Generalsekretär warnt aber vor Gewalt gegen Demonstranten

          Zwischen den beiden Konzerten liegt die blockierte Tienditas-Grenzbrücke, über die nach dem Willen Guaidós am Samstag Hilfslieferungen ins Land kommen sollen, was Maduro vehement ablehnt. Er prangert sie als Vorwand an, unter dem eine militärische Invasion der Vereinigten Staaten vorbereitet werden soll.

          UN-Generalsekretär Antonio Guterres warnte derweil die Regierung in Caracas vor der Anwendung von Gewalt gegen Demonstranten. Die Vereinten Nationen würden weiterhin mit den venezolanischen Behörden zur humanitären Versorgung der Bevölkerung zusammenarbeiten, erklärte Guterres am Freitag nach einem Treffen mit dem venezolanischen Außenminister Jorge Arreaza. Allerdings sei die UNO in dem Machtkampf neutral.

          Der US-Sonderbeauftragte für Venezuela, Elliott Abrams, brachte am Freitag weitere Hilfsgüter nach Cúcuta. „Venezuela wird frei sein – vielleicht morgen, vielleicht übermorgen“, sagte er. „Soldaten, hört
          die Schreie eurer Brüder und Schwestern, eurer Väter, Mütter und Kinder. Sie verlangen Essen und Medikamente, um zu überleben.“

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