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Syrien-Konflikt : Trump will zwischen Türken und Kurden vermitteln

  • Aktualisiert am

Türkische Streitkräfte haben angefangen, militärische Ziele im Norden Syriens zu bombardieren. Bild: AP

Nachdem er der Türkei zunächst mit Sanktionen gedroht hatte, bietet Donald Trump sein Land als möglichen Vermittler zwischen den Kampfgegnern an. Die Türkei verlangt derweil Solidarität von seinen Nato-Bündnispartnern.

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          Als Reaktion auf die türkische Militäroffensive gegen Kurdenmilizen in Nordsyrien bringt der amerikanische Präsident Donald Trump sein Land als möglichen Vermittler zwischen den Kampfgegnern ins Spiel. „Ich hoffe, dass wir vermitteln können“, sagte Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington. Zugleich drohte er der Türkei abermals mit Sanktionen oder harten Strafmaßnahmen gegen die türkische Wirtschaft. Am Freitagabend setzte sich der amerikanische Verteidigungsminister Mark Esper dann in einem direkten Gespräch mit Ankara für einen Abbruch der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien ein, teilte das Pentagon am Freitag mit.

          Deutschland und fünf weitere EU-Länder forderten bei den Vereinten Nationen abermals ein Ende der Militäroffensive, der seit ihrem Beginn am Mittwoch nach türkischen Angaben mehr als 200 Kurdenkämpfer zum Opfer gefallen sein sollen.

          Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) forderte den türkischen Präsidenten auf, alles zu unterlassen, was die Region destabilisieren könnte. Die Ministerin sagte bei einem Besuch im Baltikum: „ Jede weitere Destabilisierung birgt die Gefahr, dass der IS-Terror wieder ersteht.“ Im Verteidigungsministerium sieht man in den Operationen des türkischen Militärs derzeit keine Auswirkungen auf die Luftraumüberwachung über Syrien und Irak durch deutsche „Tornado“-Flugzeuge. Dass türkische Stäbe Aufnahmen der Luftwaffe für ihre Operationen nutzen könnten, gilt als ausgeschlossen, da der Zugang innerhalb der Anti-IS-Koalition stark limitiert ist, was im Hauptquartier der Anti-IS-Koalition auch durch deutsche Offiziere gewährleistet werden soll.

          Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, fordert einen Stopp von Waffenlieferungen an die Türkei wegen ihres Angriffs auf die Kurden-Miliz YPG in Syrien. „Die Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien ist  inakzeptabel und muss die Bundesregierung zum Umdenken zwingen“, sagte Roth, der sich um den SPD-Bundesvorsitz bewirbt, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND,
          Samstagausgaben). „Deutschland dürfe keine Waffen mehr in die Türkei  exportieren, solange der Einmarsch ins Kurdengebiet fortgesetzt wird, für bereits erteilte Genehmigungen forderte er ein Exportmoratorium.

          Frankreich bringt derweil EU-Sanktionen ins Gespräch. Das Thema Strafmaßnahmen werde beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in der
           nächsten Woche diskutiert werden, sagte die französische Europa-Staatssekretärin Amelie de Montchalin am Freitag dem Radiosender France Inter. Schweden möchte dabei nach Angaben seiner Außenministerin Ann Linde für ein EU-weites Waffenembargo gegen die Türkei werben. 

          Die türkische Armee und ihre Verbündeten setzten ihre Angriffe auf syrische Grenzorte auch am Freitagvormittag fort. Kurdische Quellen berichteten am Donnerstag von schweren Kämpfen am Stadtrand von Ras al-Ain. Die von den Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hätten dort einen Versuch türkischer Truppen abgewehrt, den Grenzort einzunehmen.

          Türkei will Nato-Solidarität

          Die Türkei verlangt von der Nato, der auch 22 EU-Staaten angehören, ein „klares und deutliches“ Bekenntnis der Solidarität. In einer Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Freitag: „Im Rahmen des Grundsatzes der Unteilbarkeit der Sicherheit ist es unsere natürlichste und legitimste Erwartung, dass sich unsere Alliierten mit uns solidarisieren. Es reicht also nicht zu sagen, ,wir verstehen die legitimen Sorgen der Türkei’. Wir wollen diese Solidarität klar und deutlich sehen.“

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