https://www.faz.net/-gpf-ag15d

Demonstration am Kapitol : Mini-Marsch statt neuer Gewaltexzesse

  • -Aktualisiert am

Demonstranten rezitieren den Treueschwur der Vereinigten Staaten. Bild: Roberto Schmidt/AFP

Teile der rechten Szene wollten sich solidarisch mit den Krawallmachern vom 6. Januar zeigen, die wegen des Angriffs auf das Kapitol in Haft sind. Doch es kamen nur wenige Menschen nach Washington. Trump hatte vor einer „Falle“ gewarnt.

          4 Min.

          Eine Frau in militärischer Schutzkleidung reckt eine große Amerika-Flagge in die Höhe, und schon ist sie von Kameras umringt. Journalisten stehen Schlange, um einzelne Demonstranten zu interviewen – denn es gibt doch ziemlich wenige davon an diesem Samstag auf dem Rasen in der Nähe vom Kapitol in Washington. „Eine Schande für unser Land“, wiederholt der Vater eines Mannes, der wegen des Angriffs auf das Kapitol in Haft sitzt, immer wieder in andere Fernsehkameras.

          Ein anderer posiert für die Fotografen mit einem Transparent: Die Häftlinge sollten die Regierung verklagen. Vor ihm aufgereiht steht eine Phalanx von Polizisten mit Schilden und Helmen, „riot gear“, die Rüstung für den Straßenkampf, der heute eindeutig ausgefallen ist.

          Etwas ziellos laufen Demonstranten und Gegendemonstranten über den Rasen, bevor die kurzen Reden anfangen – schon nach einer Stunde ist die mit Anspannung erwartete Demo wieder vorbei. Wochenlang hat die Polizei vor der „Justice for J6“-Veranstaltung gewarnt. Rechte wollten hier für die vermeintlichen „politischen Gefangenen“ sprechen, die wegen des Angriffs auf das Kapitol in Washington am 6. Januar angeklagt sind.

          Weniger als 400 Teilnehmer

          Polizisten, Gegendemonstranten und Journalisten waren am Ende weit in der Überzahl, die Behörden zählten 300 bis 350 rechte Demonstranten. Hunderte Beamte hatten sich auf dem mit Metallzäunen gesicherten Gelände um das Kapitol postiert. Schon vor Wochen hatte die Stadt angekündigt, dass man an diesem Wochenende die gesamte Polizei von Washington D.C. mobilisieren und die Nationalgarde anfordern werde. Nachdem sie am 6. Januar von dem rechten Mob überrascht worden waren, wollten die Sicherheitsbehörden diesmal keinen Zweifel an ihrer Stärke aufkommen lassen.

          „Gerechtigkeit für den 6. Januar“ nannte sich also die Demonstration. Die fast 600 Menschen aus 44 Bundesstaaten, die bislang wegen des Angriffs auf das Kapitol am 6. Januar angeklagt wurden, gelten in der rechten Szene als „politisch verfolgt“. Ihnen wollte die von einem ehemaligen Mitarbeiter von Donald Trump gegründete Organisation „Look Ahead America“ ihre Solidarität zeigen. Es gehe darum, auf die „unethische Behandlung“ der „politischen Gefangenen“ aufmerksam zu machen, hatte es in der Anmeldung der Demonstration geheißen.

          F.A.Z. Frühdenker – Der Newsletter für Deutschland

          Werktags um 6.30 Uhr

          ANMELDEN

          Offiziell sollte die Veranstaltung nur den friedlichen Teilnehmern der Proteste am 6. Januar den Rücken stärken – nicht jenen, die das Kapitol angegriffen hatten. Matt Braynard, der Organisator der Demonstration, sagte, dass jeder, der „Sachbeschädigung“ begangen habe, zu Recht angezeigt worden sei.

          Während die meisten Angeklagten in Freiheit auf ihren Prozess warten, sind zwischen 60 und 70 in Haft, darunter Mitglieder rechter Gruppen wie der „Proud Boys“ oder „Oath Keepers“. Einige von ihnen sollen in Isolationshaft sein. Braynard prangerte das als Menschenrechtsverletzung an, die Behörden rechtfertigten es als Anti-Covid-Maßnahme. Auch Demokraten im Kongress hatten die Isolationshaft für die nicht Verurteilten kritisiert.

          Von Folter und Märtyrern

          Bei dem Protest am Samstag sprachen einige Verwandte und Freunde von Verhafteten – die Freundin eines Beschuldigten nannte dessen Haftbedingungen „Folter“. Und Braynard sprach über Jacob Chansley, bekannt auch als „Q-Anon-Schamane“ wegen seiner Pelzkluft, in der er sich im Kapitol hatte ablichten lassen.

          Weitere Themen

          Cannabis legalisieren? Video-Seite öffnen

          Pro und Contra : Cannabis legalisieren?

          In den Beratungen der Ampel-Parteien geht es auch um eine mögliche Legalisierung von Cannabis. Das Thema sorgt seit Jahren für Diskussionen. Argumente von Befürwortern und Gegnern im Überblick.

          Topmeldungen

          Erste Rede von Bärbel Bas : Respekt für die Bürger

          Der Bundestag wählt Bärbel Bas zu seiner Präsidentin. Sie wirbt für mehr Bürgernähe – und fordert, endlich eine Wahlrechtsreform anzugehen, „die den Namen verdient“. Bei der Wahl ihrer Stellvertreter fällt der AfD-Kandidat durch.

          Neue Häuser : Ein Hoch auf das Schachtelprinzip!

          Einst Gemüselager, heute Loft: Nach dem Umbau zeigt sich eine Halle in Aschaffenburg von ihrer wohnlichen Seite. Und das ganz ohne Wände.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.