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Drohende Offensive in Idlib : Washington: „Viele Beweise“ für Vorbereitung syrischer C-Waffen

  • Aktualisiert am

Rund drei Millionen Zivilisten sind durch die drohende Militäroffensive in Idlib gefährdet: Diese Familie ist bereits aus ihrem Dorf an der Frontlinie geflüchtet. Bild: AFP

Die Vereinigten Staaten warnen Syrien vor einer „leichtsinnigen Eskalation“ bei einem Angriff gegen die Rebellenhochburg Idlib. Acht europäische Länder appellieren vorab an Iran, Russland und Türkei, rund drei Millionen Zivilisten zu schützen.

          Den Vereinigten Staaten liegen nach Darstellung der Regierung zahlreiche Hinweise vor, dass Syrien einen Chemiewaffeneinsatz gegen die Rebellenprovinz Idlib vorbereitet. Der Sonderberater für Syrien im amerikanischen Außenministerium, Jim Jeffrey, sagte am Donnerstag in Washington, seine Regierung betrachte jede Offensive als „leichtsinnige Eskalation“. Er ergänzte: „Es gibt viele Beweise, dass chemische Waffen vorbereitet werden.“ Die Vereinigten Staaten hatten am Dienstag die Regierung in Damaskus vor dem Einsatz von C-Waffen gewarnt. Dem schloss sich am Donnerstag Frankreich an. Syrien hat dagegen wiederholt erklärt, es verfüge nicht über derartige Waffen.

          Unterdessen haben die Vereinigten Staaten Sanktionen gegen mehrere Unterstützer des Regimes von Syriens Präsidenten Baschar al-Assad verhängt. Betroffen seien unter anderem vier Personen, die zu Finanztransaktionen und der Lieferung von Waffen und Benzin an das syrische Regime beigetragen hätten, teilte das amerikanische Finanzministerium am Donnerstag in Washington mit.

          Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin verwies auf den erwarteten Angriff syrischer Truppen auf die Rebellenhochburg Idlib. Millionen unschuldiger Menschen in der Provinz Idlib seien derzeit bedroht von einer Attacke des Assad-Regimes, das vorgebe, eigentlich die Terrormiliz IS treffen zu wollen, sagte Mnuchin. Zugleich habe das Assad-Regime mit der Terrorgruppe Handel betrieben. Die Vereinigten Staaten richteten sich weiterhin gegen jene, die das mörderische Assad-Regime und den „Islamischen Staat“ unterstützten, betonte er.

          Der iranische Präsident Hassan Rouhani (l), der russische Präsident Vladimir Putin (r), und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

          Iran, Russland und Türkei beraten über weiteres Vorgehen

          Nach sieben Jahren Bürgerkrieg ist die Region um die Stadt Idlib im Nordwesten Syriens das letzte große Gebiet des Bürgerkriegslandes, das noch von Rebellen beherrscht wird. Syriens Regierung hat dort Truppen zusammengezogen und droht mit einem Angriff. Am heutigen Freitag kommen die Präsidenten Russlands, der Türkei und Irans in Teheran zusammen, um über das weitere Vorgehen in Idlib zu beraten. Der Gipfel dürfte über den Zeitpunkt und das Ausmaß einer Offensive der Truppen von Machthaber Baschar al Assad auf die letzte Rebellenhochburg Syriens entscheiden. Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan will einen Angriff verhindern, doch hat Russland bereits seine Unterstützung für die Offensive signalisiert.

          Im Vorfeld des Treffens haben acht europäische Länder, darunter fünf Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, den Schutz der Zivilbevölkerung angemahnt. In einem gemeinsamen Appell zeigten sie sich am Donnerstag zutiefst besorgt über Militäraktionen im Nordwesten Syriens, die „katastrophale humanitäre Folgen für Zivilisten“ haben könnten. Zu den Unterzeichnern gehörten Deutschland, Belgien, Großbritannien, Frankreich, Italien, die Niederlande, Polen und Schweden.

          Offensive gefährdet drei Millionen Zivilisten

          Syriens Verbündete Russland und Iran sollten die Waffenruhe und bisherige Vereinbarungen zur Deeskalation in Idlib aufrecht erhalten, der Schutz der Zivilisten müsse Priorität haben, forderten die acht Länder. Eine umfassende Militäroffensive in Idlib könne das Leben von mehr als drei Millionen Zivilisten in der Region, „darunter eine Million Kinder“, in Gefahr bringen.

          In der von Dschihadisten und islamistischen Rebellengruppen kontrollierten Provinz im Nordwesten Syriens leben 2,9 Millionen Menschen, darunter 1,4 Millionen Vertriebene aus anderen Landesteilen. Im Fall einer Großoffensive drohen erbitterte Kämpfe, da es für die Rebellen keine Ausweichmöglichkeit in Syrien mehr gibt. Hilfsorganisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe und die Vertreibung von 800.000 Menschen.

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