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Schießerei in Moskau : Ein in Waffen vernarrter Einzelgänger?

Russische Spezialkräfte am Donnerstagabend vor dem FSB-Gebäude in Moskau Bild: AP

Vom Hergang der Schießerei vor dem Moskauer Sitz des Geheimdiensts FSB kursieren verschiedene Versionen. In Moskau werden Informationen über den Schützen bekannt. Ein möglicher terroristischer Hintergrund wird untersucht.

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          Die Lubjanka, der Sitz des Geheimdiensts FSB im Herzen von Moskau, ist ein Zentrum der Macht. Aus dem wuchtigen Prachtbau, dessen Kellerräume aus der Zeit von Stalins Terror gegen „Volksfeinde“ berüchtigt sind, soll Russlands Sicherheit geschützt werden. Um alles zu kontrollieren, behält man neben Gefährdern unter anderem auch Oppositionelle, Banken und Unternehmen fest im Blick. So ist der FSB, den Präsident Wladimir Putin einst selbst kurzzeitig leitete, ein russischer Schlüsselakteur. Der Symbolcharakter des Baus, der schräg gegenüber einem Hochglanzkaufhaus für Kindermode, Spielsachen und Süßigkeiten liegt, zog vor gut vier Jahren einen Aktionskünstler aus Sankt Petersburg an: Er übergoss eine Tür der Lubjanka mit Benzin, setzte sie in Brand, erhielt dafür eine Geldstrafe und erregte später in Paris mit entsprechendem Vorgehen gegen eine Filiale der Banque de France Aufsehen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Die Überraschung über die Schüsse vom Donnerstagabend, mitten im vor Überwachungskameras strotzenden Zentrum der Hauptstadt, war groß – und zunächst auch die Verwirrung. Es kursierten unterschiedliche Versionen des Geschehens. So wurde zeitweise von drei bewaffneten Angreifern berichtet. Die entsprechende Meldung eines Moskauer Radiosenders, der unter Berufung auf den FSB zudem von einem Terroranschlag berichtete, wurde aber noch am Abend zurückgezogen. Nach der nun gültigen, offiziellen Darstellung gab es nur einen Angreifer, der getötet worden sei. Ein Mitarbeiter des FSB sei ums Leben gekommen, vier wurden demnach verletzt, zwei von ihnen schwer. Am Freitagabend wurde gemeldet, dass eines dieser Opfer seinen Schussverletzungen erlegen sei. Zudem soll ein Passant leicht verwundet worden sein.

          Videoaufnahmen sollen Tod zeigen

          Medien benannten rasch den 39 Jahre alten Jewgenij Manjurow als Täter. Videoaufnahmen, die im Internet kursierten, sollen zeigen, wie er unter Arkaden an einem Parkplatz erschossen wird; sie sollen von einem FSB-Mitarbeiter aus dem Fenster aufgenommen worden sein. Fotos sollen das füllige, blutverschmierte Gesicht des Leichnams des Angreifers zeigen. Er trug demnach einen schwarzen Kapuzenpullover mit Vollmond- und Wolfsaufdruck.

          Manjurow soll aus der Stadt Podolsk im Moskauer Umland kommen, mit Mutter und Großmutter zusammengelebt haben, Sportschütze gewesen sein, für private Sicherheitsunternehmen gearbeitet haben und zeitweise unter anderem die Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate bewacht haben (Letztere wies das zurück). Es entstand das Bild eines in Waffen vernarrten, verschlossenen Einzelgängers. Die Mutter Manjurows sagte in einem Interview, ihr Sohn habe zuletzt nicht mehr gearbeitet, sich „mit irgendwelchen Arabern“ am Telefon auf Englisch unterhalten und „irgendeine Empörung“ gehabt. Die Journalistin, die das Interview führte, war schon vor der Razzia der Sicherheitskräfte in der Wohnung, wurde festgenommen, nach eigenen Angaben geschlagen und erst am Freitagmorgen freigelassen.

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