https://www.faz.net/-gpf-9m7k0

Drahtzieher der Anschläge auf Sri Lanka?  : Was über die Islamisten der NTJ bekannt ist

  • Aktualisiert am

Soldaten bewachen seit den Anschlägen von Ostersonntag viele Kirchen auf Sri Lanka. Bild: AFP

Die bisher weitgehend unbekannte Islamistengruppe, die für die Anschläge auf Sri Lanka verantwortlich sein soll, ist das erste Mal im Dezember in Erscheinung getreten. Nun werden immer mehr Details über die Extremisten und ihren Anführer bekannt. Ein Überblick.

          Hinter der verheerenden Anschlagsserie in Sri Lanka steckt nach Regierungsangaben die weitgehend unbekannte Islamistengruppe National Thowheeth Jama’ath (NTJ). Bislang wurde die einheimische Gruppe vor allem im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Beschädigung buddhistischer Statuen in dem Inselstaat genannt. Nun wird sie für den Tod von fast 300 Menschen in christlichen Kirchen und Touristenhotels am Ostersonntag verantwortlich gemacht. Regierung und Experten gehen davon aus, dass die NTJ über Verbindungen zum internationalen Terrorismus verfügen muss, um eine solch große, koordinierte Anschlagsserie verüben zu können.

          Zum ersten Mal trat die NTJ im Dezember öffentlich in Erscheinung, als die Islamisten der Beschädigung buddhistischer Statuen im Bezirk Kegalle verdächtigt wurden. Der Fall sorgte für einen Aufschrei unter der mehrheitlich buddhistischen Bevölkerung Sri Lankas.

          NTJ-Anführer Abdul Razik wurde bereits vor den Anschlägen mehrmals inhaftiert. Er wurde der Anstachelung zu religiösen Unruhen beschuldigt. Nach einem Vorfall im Jahr 2016 hatte der Chef der radikalen Buddhistengruppe BSS vor einem „Blutbad“ gewarnt, sollte Razik nicht bald ins Gefängnis kommen.

          Die mutmaßliche Zerstörung der Statuen im Dezember war ein weiteres Anzeichen für die Radikalisierung der NTJ. Im Januar entdeckten Sicherheitskräfte dann 100 Kilogramm hochexplosiven Sprengstoffs in der Nähe eines abgelegenen Wildparks. Zwar wurde keine spezifische Gruppe in diesem Zusammenhang genannt. Allerdings verkündeten die Behörden später die Festnahme von vier radikalen Muslimen.

          In einem Schreiben vom 11. April an führende Sicherheitsvertreter hatte Sri Lankas Polizeichef vor Plänen der NTJ gewarnt, Selbstmordanschläge auf Kirchen sowie auf die indische Botschaft in Colombo zu verüben.

          Die Polizei richtete in der Folge offenbar Warnungen an Kirchenvertreter. Ein Pfarrer der Volkskirche in Colombo, der anonym bleiben wollte, sagte, die Polizei habe ihn zu erhöhter Wachsamkeit und Vorkehrungen wegen möglicher „Zwischenfälle“ geraten. Daraufhin seien die Sicherheitsmaßnahmen im Umfeld der Kirche verstärkt und etwa Autos kontrolliert worden. Da die Warnungen aber nicht besonders präzise gewesen seien, hätten einige Kirchen keine ausreichenden Vorkehrungen ergriffen.

          Sri Lankas Regierung hält es derweil für unwahrscheinlich, dass die NTJ die Anschläge ohne Unterstützung von Islamisten aus dem Ausland durchführen konnte. „Wir glauben nicht, dass eine kleine Organisation in diesem Land all das alleine machen kann“, sagte Regierungssprecher Rajitha Senaratne. Nach Angaben des Präsidialamts hatten Geheimdienste darauf hingewiesen, dass „internationale Terrorgruppen hinter einheimischen Terroristen“ stehen.

          Auch das Soufan Center in New York, das weltweite Sicherheitsbedrohungen analysiert, zieht Verbindungen zum internationalen Dschihad. Die Anschläge in Sri Lanka wiesen alle „Markenzeichen“ früherer Angriffe auf, bei denen lokale Islamisten aus dem Ausland unterstützt wurden. So habe das Terrornetzwerk Al-Kaida bei den Anschlägen in Indonesien zu Weihnachten im Jahr 2000 mit einer einheimischen Gruppe zusammengearbeitet.

          Weitere Themen

          Gewalttätige Demonstrationen gegen Regierung

          Puerto Rico : Gewalttätige Demonstrationen gegen Regierung

          Tausende Menschen haben am Mittwoch gegen den Gouverneur des amerikanischen Außengebiets protestiert. Darunter waren auch Film- und Musikstars. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor.

          Conway sorgt für nächsten Eklat Video-Seite öffnen

          Trump-Beraterin : Conway sorgt für nächsten Eklat

          Die Seniorberaterin des Weißen Hauses, Kellyanne Conway, verteidigt den amerikanischen Präsidenten auf denkwürdige Weise. Während einer Pressekonferenz fragt sie einen der Reporter nach seiner ethnischen Herkunft, um Trumps Äußerungen zu verteidigen.

          Rackete muss vor Gericht aussagen

          Verfahren gegen Kapitänin : Rackete muss vor Gericht aussagen

          Im Verfahren wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Widerstands gegen ein Kriegsschiff sagt Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete an diesem Donnerstag vor Gericht auf Sizilien aus. Die Gefahr einer Inhaftierung besteht wohl nicht.

          Topmeldungen

          Carola Rackete bei ihrer Festnahme im Juli in Porto Empedocle

          Verfahren gegen Kapitänin : Rackete muss vor Gericht aussagen

          Im Verfahren wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und Widerstands gegen ein Kriegsschiff sagt Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete an diesem Donnerstag vor Gericht auf Sizilien aus. Die Gefahr einer Inhaftierung besteht wohl nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.