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Konflikt zwischen Golf-Staaten : Welche Rolle spielt Trump in der Qatar-Krise?

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War sein Besuch der Auslöser für die neue Politik gegenüber Qatar? Donald Trump Ende Mai beim saudischen König Salman. Bild: dpa

Der Konflikt zwischen Qatar und den anderen Golfstaaten schwelt bereits seit langem – nun ist er eskaliert. Die Region steckt in einer schweren diplomatischen Krise. Das hat auch mit Trumps Außenpolitik zu tun.

          Ausgerechnet eines der reichsten Länder der Welt könnte Kollateral-Opfer der neuen Strategie des amerikanischen Präsidenten Donald Trump im Nahen Osten werden: Denn am Montag kappten Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain alle Verbindungen zu Qatar.

          Offizieller Hauptvorwurf: Qatar unterstütze die Muslimbruderschaften in Ägypten und anderen sunnitischen Staaten. Inoffizieller Vorwurf: Der Emir von Qatar kooperiere auch mit Iran – dem Hauptgegner Saudi-Arabiens. „Wir sehen die ersten Quittung der Reise Trumps nach Saudi-Arabien“, sagt der außenpolitische Sprecher der Grünen, Omid Nouripour. „Denn Saudi-Arabien setzt nach der demonstrativen Unterstützung der USA nun seine Rolle als regionale Ordnungsmacht hart durch.“

          Lange schwelender Konflikt

          Tatsächlich sehen viele Experten den jetzigen Streit im Lichte einer sehr viel breiteren Konfrontation mit dem Iran. Konflikte der Golf-Partner mit Qatar selbst sind nicht neu. Dem Land wird seit Jahren von anderen arabischen Ländern vorgeworfen, Salafisten und islamische Extremisten zu finanzieren. Vorwürfe der Unterstützung radikaler Gruppen gab es aus Libyen, Somalia, Ägypten, Mali, Syrien, Irak und nun auch Jemen. Qatar bestreitet dies – ebenso wie Saudi-Arabien seit Jahren Vorwürfe zurückweist, es unterstütze islamistische Strömungen in aller Welt. In Doha sitzt zudem mit Al Dschasira der einzige arabische Sender mit weltweiter Reichweite, der manchmal auch kritisch über die Lage in anderen Golf-Staaten wie Saudi-Arabien berichtet.

          „Eine vergleichbare Reaktion gab es bereits 2007 und 2014“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, Rolf Mützenich, mit Hinweis auf frühere Konflikte, als die Golfstaaten vorübergehend ihre Botschafter aus Katar abgezogen hatten. Es gebe seit langem selbst im Golf-Kooperationsrat (GCC), zu dem sowohl Saudi-Arabien als auch Katar gehören, fundamentale sicherheitspolitische Differenzen. „Neuer Streitpunkt könnte jetzt die von Trump befürwortete Einhegung des Iran durch ein militärpolitisches Bündnis am Golf und das militärische Vorgehen im Jemen sein“, glaubt aber auch Mützenich.

          Ganz logisch erscheint die Eskalation seitens Riads auf den ersten Blick nicht: Immerhin kämpfen Soldaten aus Qatar auch an der Seite der Saudis in Jemen gegen die Huthi-Rebellen - und sollen nun abgezogen werden. In Qatar befindet sich zudem ein wichtiger amerikanischer Militärstützpunkt. „Dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen darf nun keine Sprachlosigkeit in der arabischen Welt folgen“, warnt der außenpolitische Sprecher der Union, Jürgen Hardt. Gegenseitige Vorwürfe stärkten nur diejenigen Kräfte, denen an Stabilität und friedlichem Miteinander am wenigsten gelegen sei. Die amerikanische Regierung beeilte sich mit dem Hinweis, man wolle in dem Konflikt schnell vermitteln.

          Riad zieht die Zügel an – seit Trump

          Saudi-Arabien tritt seit geraumer Zeit aggressiver auf. So hat es massiv im Nachbarland Jemen eingegriffen. Dass Trump seinen ersten Auslandsbesuch als amerikanischer Präsident in Saudi-Arabien machte, dort einen Gipfel mit mehr als 50 islamischen Ländern (ohne Iran) abhielt und dem Königreich in sehr großem Umfang moderne Waffen verkaufte, habe der Regierung in Riad deutlichen Rückhalt gegeben, heißt es bei EU-Diplomaten. In Saudi-Arabien unterstützt man begeistert den Versuch Trumps, eine neue Front gegen den Iran zu schmieden. Die traditionelle Rivalität zwischen der sunnitischen und der schiitischen Führungsmacht eskaliert deshalb. „Es scheint, dass die Saudis und die Vereinigten Arabischen Emirate sich durch die US-Regierung ermutigt fühlen“, sagt auch Kristian Ulrichsen, Golf-Experte des amerikanischen Baker Instituts.

          Isoliert: der Emir von Qatar, Scheich Tamim bin Hamad al Thani

          Qatar wirkt dabei eher wie ein Bauernopfer. Saudi-Arabien will Iran treffen und nimmt sich zunächst ein kleines Land vor, sind sich Experten einig. Denn das kleine Emirat unterhält traditionell Kontakte in alle Richtungen - eben auch zu Iran. Es gilt dennoch nicht als Verbündeter des Iran, obwohl viele Katharer schiitischen Glaubens sind. Aber die demonstrative diplomatische Unabhängigkeit ist dem großen Nachbarn Saudi-Arabien ein Dorn im Auge - zumal es im Golf-Kooperationsrat generell keine Einigkeit gibt, welche Gruppen man im syrischen und im libyschen Bürgerkrieg eigentlich unterstützen soll.

          Qatar ist auch für Deutschland wichtig

          Dass gerade aus Deutschland aufmerksam auf den Machtkampf am Golf geschaut wird, hat auch wirtschaftliche Gründe. Denn das Emirat ist mit Doha nicht nur ein Drehkreuz für den internationalen Flugverkehr, sondern auch strategischer Investor in Flaggschiffunternehmen wie VW und die Deutsche Bank.

          Als unklar gilt, wie sehr der Abbruch der Beziehungen das Land treffen kann. „Qatar scheint durch den jüngsten Schritt nicht viel befürchten zu müssen. Die Empfängerländer für Gas und Öl sind Indien, Japan und Südkorea“, gibt sich Mützenich entspannt. Allerdings warnt der Grünen-Außenpolitiker Nouripour, dass es sehr schnell auch eine humanitäre Krise in Katar geben könnte. Denn so reich das Land auch sei: Bei Lebensmittellieferungen sei es völlig von Saudi-Arabien abhängig. Am Montag gab es bereits Hamsterkäufe in den Supermärkten.

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