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Zimbabwe nach Mugabe-Rücktritt : „Unser Kampf ist noch nicht zu Ende“

„Dass es wirklich passiert, ist fast nicht zu glauben“: Jubelnde Zimbabwer im südafrikanischen Johannesburg Bild: Reuters

Nach dem Rücktritt von Robert Mugabe feiern die Menschen – auch wenn sie wissen, dass ein demokratisches Zimbabwe noch in weiter Ferne liegt. Viele schmieden dennoch große Pläne.

          Japhet Sibanda hatte nur zwei Worte per Whatsapp von seiner Tochter in Bulawayo erhalten: „He resigned.“ Natürlich wusste er sofort, wer gemeint war: Robert Mugabe. Nach einer fast vier Jahrzehnte langen Herrschaft hat der zimbabwische Präsident am Dienstagabend schließlich seinen Rücktritt erklärt. Eine Woche hatte er sich an die Macht geklammert, trotz Militärputsch, Hausarrest, Demonstrationen und Parteiausschluss. Erst als das Amtsenthebungsverfahren schon begonnen hatte, gab der 93 Jahre alte „Old Man“ von Zimbabwe klein bei.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          In Zimbabwe bricht sofort nach der Mitteilung im Parlament um 18 Uhr ein Jubel aus, der Ältere an die überschwänglich gefeierte Vollendung der Unabhängigkeit im Jahr 1980 erinnert. Damals hatte Mugabe die Wahl gewonnen, galt als großer Hoffnungsträger. Jetzt ist es das Ende seiner Ära, das Freudenstürme auslöst.

          Fremdenfeindliche Attacken in Südafrika

          Auch im benachbarten Südafrika gibt es kein Halten mehr. Mehrere Millionen Zimbabwer haben sich über die Jahre hinweg in das Nachbarland geflüchtet. Die Innenstädte von Kapstadt und Johannesburg sind am Dienstagabend voller Menschen, es wirkt, als seien sie alle zu einem riesigen spontanen Straßenfest erschienen. Es wird gefeiert, getanzt, gesungen. Buchstäblich alles kommt zum Einsatz, was irgendeinen Lärm verursacht: Vuvuzelas, Autohupen, Radios. Es ist ein Fest der Erleichterung, der Aufbruchstimmung. „Endlich frei“, dieser Spruch ist in der Menge immer wieder zu hören.

          Mugabe hat das Land bis zuletzt mit harter Hand geführt, hat Angst und Schrecken verbreitet und die Wirtschaft ruiniert. Die meisten Zimbabwer, die in Südafrika leben, sind aus diesem Grund ausgewandert. Auch Japhet Sibanda. „Es war klar, dass er uns dieses Mal nicht entkommen würde, aber dass es wirklich passiert, ist immer noch fast nicht zu glauben“, sagt der 58 Jahre alte Sicherheitsmann in seinem Wachhäuschen in einem Johannesburger Vorort am Telefon. „Wir sind sehr glücklich, eine große Last ist von unseren Schultern genommen.“

          Sibandas Geschichte ist typisch für viele seiner Landsleute in der Diaspora. Er verließ seine Heimatstadt Bulawayo 1995, weil er nicht mehr genug verdiente, um seine Familie zu ernähren. Seine Frau, eine Lehrerin, und die beiden Kinder blieben in Zimbabwe. Sibanda zog in eine Wellblechhütte in einem südafrikanischen Township, hielt sich zunächst mit Handwerkerjobs über Wasser. Als vor einigen Jahren fremdenfeindliche Attacken in Südafrika wüteten, fürchtete er um sein Leben. Den Großteil seines Lohnes schickt er bis heute nach Zimbabwe. Einmal im Jahr, an Weihnachten, sieht er die Familie. „Dieser Mann hat so viel zerstört. Wir Zimbabwer müssen heute überall verstreut auf der Welt leben, sind getrennt von unseren Familien. Und zu Hause könnten wir so viel Gutes tun.“

          Die Wut über das Mugabe-Regime sitzt tief, und auch die Angst. Seinen echten Nachnamen will Sibanda daher nicht in einer Zeitung gedruckt sehen. Er gehört zur Volksgruppe der Ndebele, die von Mugabes „Fünfter Brigade“ in den achtziger Jahren verfolgt wurde. Ungefähr 20.000 Menschen wurden in den Massakern in der Region Matabeleland im Süden Zimbabwes getötet. Japhet Sibandas Bruder, der Zweitgeborene in der Familie, war eines der Opfer.

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