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Explosion in Russland : Die Rückkehr des Terrors

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen einen Tag nach der Explosion in der Sankt Petersburger U-Bahn Bild: EPA

Die genauen Hintergründe der Explosion in Sankt Petersburg sind noch unklar, es wurden Ermittlungen wegen eines Terroranschlags aufgenommen. Ein Überblick.

          Im Waggon hatten sich schon alle auf den Tod eingestellt“, zitierte die Staatsnachrichtenagentur Tass einen Augenzeugen nach der Explosion am Montagnachmittag in der St. Petersburger U-Bahn. Eine Frau, die ebenfalls in dem Zug der Linie M2 in südlicher Richtung unterwegs war, berichtete einem Radiosender, sie habe im letzten Waggon des Zuges gesessen. Im Tunnel nach der Station „Sennaja Ploschtschad“ (Heuplatz) im Zentrum der Stadt habe sich die Explosion ereignet, die Leute hätten über die Gegensprechanlage Kontakt mit dem Fahrer aufgenommen. Der Zug habe dann die nächste Station, „Technologisches Institut“, erreicht, und die Leute hätten den Waggon verlassen. Von dieser Station stammt offenbar ein Video, das bald nach der Explosion im Internet veröffentlicht wurde. Es zeigt stark verformte Türen des blauen U-Bahn-Zuges und Personen, die auf dem Bahnsteig herumirren und versuchen, anderen zu helfen, die offenbar noch im Waggon sind. Auf einem Foto ist zu sehen, wie mehrere Menschen am Boden liegen, eine Frau kniet über einem Mann.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Mindestens zehn Personen kamen durch die Explosion in dem Zug der Petersburger U-Bahn am Montagnachmittag gegen 14:40 Uhr Ortszeit ums Leben, mindestens 45 weitere wurden nach offiziellen Angaben verletzt, rund 20 von ihnen wurden in Krankenhäuser gebracht. Ersten Meldungen zufolge detonierte ein „selbstgebauter Sprengsatz geringerer Stärke“ in der Mitte eines der Waggons des Zuges. „Sennaja Ploschtschad“ ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte von St. Petersburg, dort treffen drei U-Bahn-Linien aufeinander, jeden Tag steigen dort Zehntausende ein, aus oder um.

          Konzentration auf „extremistische oder nationalistische Spur“

          Das Nachrichtenportal RBK zitierte eine Petersburgerin, deren Kollege vor Ort gewesen sei und ihr die Nachricht geschrieben habe, dass ein junger Mann eine „Aktentasche“ in den Waggon gestellt habe – das blieb zunächst unbestätigt, andere Quellen sprachen von einem „Rucksack“. Der Sender „Ren TV“ veröffentlichte gar rasch ein Bild eines „mutmaßlichen Terroristen“, eines Mannes mit schwarzem Bart in schwarzer Kluft. Die Aufnahme stammt offenbar aus einer Überwachungskamera.

          Medien berichteten bald über einen weiteren selbstgebauten Sprengsatz an der Station „Ploschtschad Wosstanija“ (Platz des Aufstands), später teilte das Nationale Antiterrorkomitee mit, es sei an der Station ein Sprengsatz entdeckt und „rechtzeitig entschärft“ worden. Es wurden auch Bilder von dem angeblichen Sprengsatz veröffentlicht. Zunächst schlossen drei Stationen der Petersburger U-Bahn, dann das gesamte U-Bahn-System der Stadt. An der Oberfläche bildeten sich Staus, das Mobilfunknetz war überlastet. Auch die Sicherheitsvorkehrungen in der Moskauer U-Bahn und an Flughäfen wurden verstärkt. Die Nachrichtenagentur Interfax meldete, erste Ermittlungen konzentrierten sich auf eine „extremistische oder nationalistische Spur“, und am Abend wurde von russischen Behörden bestätigt, dass Terrorermittlungen aufgenommen worden seien.

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