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Zusammenbruch Nawalnyjs : Moskau hat einiges zu erklären

  • -Aktualisiert am

Solidarität: Demonstranten in Chabarowsk halten ein Bild Nawalnyjs in die Höhe. Bild: dpa

Alexej Nawalnyj wurde überwacht. Aber über seinen Zusammenbruch wollen die Behörden nichts wissen. Das wirft Fragen auf. Der Verdacht gegen Vertreter der Macht ist nicht entkräftet.

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          Es gehört seit jeher zu den beliebten Methoden repressiver Regime, kleine Einblicke in ihr „Waffenarsenal“ zu gewähren. Sie erwecken den Eindruck, ihre Sicherheitsorgane wüssten alles, jeglicher Widerstand sei also zwecklos.

          Dem gelernten Geheimdienstler Wladimir Putin ist dieses Vorgehen sehr vertraut. Deshalb hat er „Sicherheitskreisen“ erlaubt, einer Moskauer Boulevardzeitung detaillierte Informationen über die Aktivitäten des Oppositionspolitikers Aleksej Nawalnyj vor dessen Zusammenbruch aus einstweilen nicht geklärten Umständen zu übermitteln.

          Das könnte in diesem speziellen Fall ein Fehler gewesen sein. Denn wenn die „allwissenden“ und alles sehenden Behörden Nawalnyj so genau beobachtet haben, dann hätten sie doch sicher verhindern können, was dem bekanntesten Kreml-Kritiker passiert ist. Das haben sie aber nicht getan, was den von Anhängern Nawalnyjs geäußerten Verdacht, Vertreter der Macht könnten hinter dessen Erkrankung stecken, zumindest nicht entkräftet.

          Moskau wird jedenfalls einiges zu erklären haben. Zur mit Recht eingeforderten transparenten Aufklärung des Vorgangs wird Nawalnyj hoffentlich in nächster Zukunft auch beitragen können. So schlimm, wie die Ärzte in Omsk am Freitag taten, steht es um ihn wohl doch nicht. Den Transport nach Berlin jedenfalls hat er offenbar, ohne zusätzlichen Schaden zu nehmen, überstanden. Das ist wenigstens eine kleine gute Nachricht.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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