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Studie zu Arbeitsmarktzugang : Was geflüchtete Frauen zur Wirtschaftsleistung beitragen könnten

Die Agentur für Arbeit in Köln: Der Zugang zum Arbeitsmarkt gestaltet sich für Geflüchtete oft schwierig. Bild: dpa

Der Zugang zu bezahlter Arbeit ist für geflüchtete Frauen oft schwer. Dabei könnten sie viel zum Wirtschaftswachstum in den Aufnahmeländern beitragen, zeigt eine Analyse – die allerdings nicht in allen Punkten überzeugt.

          Wer mit Zahlen argumentieren kann, ist oft schon im Vorteil. Sie gelten als unbestechlich, als verlässliche Erklärungen für eine immer komplexer werdende Welt. Und als Instrument, um politische Forderungen zu stützen und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Zum Beispiel die beim Thema Migration. Eine solche potentielle „Influencer-Zahl“ hat das Georgetown Institute for Women, Peace and Security (GIWPS) nun in Zusammenarbeit mit dem International Rescue Committee (IRC) berechnet.

          Anna-Lena Ripperger

          Redakteurin in der Politik.

          Bis zu 1,4 Billionen Dollar könnten geflüchtete Frauen demnach zum jährlichen globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitragen, wenn sie in den 30 wichtigsten Aufnahmeländern dieselben Möglichkeiten zur Teilhabe am Arbeitsmarkt bekämen wie einheimische Frauen – und wenn ihre Bezahlung an deren Lohnniveau angepasst würde. Zum Vergleich: Das globale BIP, also der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr weltweit hergestellt beziehungsweise erbracht wurden, lag 2018 bei etwa 84,7 Billionen Dollar. Die prognostizierte Steigerung wäre also nicht unerheblich.

          Um den potentiellen Beitrag geflüchteter Frauen zum globalen BIP zu berechnen, untersuchen die Autoren des Berichts fünf Länder, für die – jeweils aufgeschlüsselt nach Geschlecht – aktuelle Daten über Beschäftigung und Einkommen von Geflüchteten vorliegen: die Türkei, Uganda, den Libanon, Jordanien und Deutschland. In diesen Ländern leben relativ viele Flüchtlinge. Die Türkei, Uganda und Deutschland gehören laut des „Global Trends 2018“-Reports des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sogar zu den fünf größten Aufnahmeländern weltweit (mit jeweils 3,7 Millionen, 1,2 Millionen und 1,1 Millionen aufgenommenen Geflüchteten). Außerdem nehmen die Autoren die Situation in den Vereinigten Staaten in den Blick, wo im Verhältnis wenige Flüchtlinge leben.

          Mit geringerer Wahrscheinlichkeit erwerbstätig

          Den gemeinsamen Beitrag geflüchteter Frauen zum BIP in diesen sechs Ländern – insgesamt bis zu 9,4 Milliarden Dollar – rechnen sie dann auf die 30 wichtigsten Aufnahmeländer für Geflüchtete weltweit hoch und kommen so auf eine mögliche Steigerung von fünf Milliarden bis zu 1,4 Billionen Dollar. Für Länder wie Deutschland und die Vereinigten Staaten wären die relativen Zuwächse durch die Integration von geflüchteten Frauen geringer – wegen der hohen Wirtschaftsleistung in diesen Ländern in Kombination mit der im Verhältnis zur Bevölkerung kleineren Zahl an Geflüchteten.

          Auch wenn der Bericht von GIWPS und IRC alle Annahmen auch für geflüchtete Männer durchspielt: Er nimmt vor allem die besondere Situation geflüchteter Frauen in den Blick – und das Lohn- und Beschäftigungsgefälle, dem sie sich in den jeweiligen Aufnahmeländern ausgesetzt sehen. In allen Ländern der Stichprobe sind Frauen demnach mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit erwerbstätig als die jeweils einheimischen Frauen und Männer. Und jene, die arbeiteten, verdienten überall niedrigere Stundenlöhne.

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