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Johnsons Asylpolitik : Verschlossene Briten, offene Briten

Passanten im multikulturellen Londoner Stadtteil Brixton Bild: Mattia Zoppellaro/Contrasto/Laif

Die britische Asylpolitik sorgt für Empörung. Selbst Kronprinz Charles soll sich „abgestoßen“ fühlen. Der Vorwurf der Abschottung führt aber in die Irre.

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          Kürzlich besuchte der britische Amerika-Korrespondent Janan Ganesh seine Heimatstadt London und staunte nicht schlecht. Schon wenige Tage nach seiner Ankunft stellte er fest, dass mehr Menschen aus Indien und Hongkong als früher auf den Straßen zu sehen waren und gleichzeitig weniger aus Ost- und Mitteleuropa. „Das Leben wird bunter, nicht weniger bunt in einer Stadt, die sich schon vorher mit einigem Recht als kosmopolitischste der Welt bezeichnet hat“, schrieb Ganesh in der „Financial Times“ – und würdigte die Entwicklung als einen der wenigen Vorteile des EU-Austritts.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Bunter durch den Brexit? Die Beobachtung des Londoners mit sri-lankischen Wurzeln widerspricht der allgemeinen Wahrnehmung des Königreichs. Die britische Regierung steht gerade wieder am Pranger, nicht nur für ihren Post-Brexit-Kurs, sondern für die daraus abgeleitete Asylpolitik. Der Plan, Asylbewerber nach Ruanda auszufliegen, um sie so von der Kanalüberfahrt im Schlauchboot abzuhalten, hat zu Empörung im In- und Ausland geführt. Die UN-Flüchtlingsagentur und britische Oppositionspolitiker sehen eine Verletzung des internationalen Rechts, die anglikanischen Bischöfe sprechen von einer „Nation in Scham“. Selbst Kronprinz Charles soll sich „abgestoßen“ fühlen von der neuen Asylpolitik.

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