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Tschads Präsident Déby junior : In den Fußstapfen seines Vaters?

Tschadische Soldaten am Freitag in N’Djamena vor einem Wahlplakat des getöteten Präsidenten Idriss Déby Bild: AFP

Mahamat Idriss Déby folgt im Tschad seinem getöteten Vater als Präsident nach. Dessen Partner in Europa haben hohe Erwartungen.

          4 Min.

          Mahamat Idriss Déby ist 37 Jahre alt, ein Vier-Sterne-General, und hat nach gewaltsamen Umständen gerade die Staatsführung im Tschad übernommen. Die Geschichte in dem zentralafrikanischen Land scheint sich zu wiederholen. Fast genauso alt und ebenfalls militärisch gestählt war Débys Vater, Idriss Déby, als er sich 1990 an die Macht putschte. In der vergangenen Woche ist er als amtierender Staatspräsident nach offiziellen Angaben im Kampf gegen Rebellen auf dem Schlachtfeld gefallen.

          Claudia Bröll
          Freie Afrika-Korrespondentin mit Sitz in Kapstadt.

          Die schnelle Amtsübernahme, die von der Opposition als „Putsch“ und als „monarchisch“ gegeißelt wird, bedeutet jedoch weder für das Land noch für die Afrika-Politik westlicher Regierungen Kontinuität. Der ums Leben gekommene Déby ist deren wichtigster Verbündeter gewesen, um Unruhen und Terror in der Sahel-Region zu bekämpfen. Der plötzliche Tod des seit 31 Jahren regierenden Präsidenten bedeutet noch größere Instabilität. Der riesige zentralafrikanische Staat wird seit seiner Unabhängigkeit vor sechzig Jahren von Bürgerkriegen und Konflikten erschüttert.

          Mit eiserner Hand regiert

          Idriss Déby hatte das Land mit eiserner Hand regiert. Unzählige Kritiker, Oppositionspolitiker und Journalisten wurden während seiner Amtszeit inhaftiert oder ins Exil getrieben. Kritiker warfen ihm vor, sich für Menschenrechte und die Demokratie genauso wenig zu interessieren wie für das Wohl der Bevölkerung. In Ranglisten über Entwicklungsindikatoren wie Bildung, Gesundheit oder Lebenserwartung liegt der Tschad weit hinten. Nach Angaben der Weltbank erlebt ein Fünftel der tschadischen Kinder den fünften Geburtstag nicht. Kritik erntete Déby auch dafür, wie er die reichen Ölvorkommen im Land nutzte. Die Einnahmen kamen fast ausschließlich einer Elite und dem Militär zugute.

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          Doch die tschadischen Streitkräfte sind als unerschrockene Truppe bekannt, die sich auch in die gefährlichsten Regionen wagt. In der Region ist sie mit Abstand am besten ausgerüstet. Débys turbantragende Männer schlugen einst die Kämpfer von Libyens Muammar al-Gaddafi in einer Wüstenschlacht, zogen gegen Boko-Haram in Nigeria und Al-Qaida in Mali zu Felde. Westliche Länder hätten mit Déby jemanden gefunden, der „für sie die Drecksarbeit erledigt“, sagte vor einigen Jahren der Oppositionspolitiker und zweimalige Präsidentschaftskandidat Saleh Kebzabo. „Danach machen sie die Augen zu.“

          Die französische Militäroperation Barkhane, die seit 2014 den islamistischen Terror in den fünf Ländern der Sahel-Zone – Burkina Faso, Tschad, Mali, Mauretanien und Niger – bekämpft, hat ihr Hauptquartier in der Hauptstadt N’Djamena. Das Land liegt zudem strategisch günstig, umgeben von Libyen im Norden, Sudan im Osten, der Zentralafrikanischen Republik im Süden und im Westen Kamerun, dem nördlichen Teil Nigerias und Niger.

          Über die Frage, ob Déby tatsächlich von Rebellen getötet wurde, wird viel spekuliert. Zwar hatte sich der Präsident, der als erster den militärischen Rang eines Feldmarschalls erhalten hatte, schon früher Soldaten auf dem Kampffeld angeschlossen, beispielsweise im vergangenen Jahr gegen Boko Haram. Er galt als exzellenter Kämpfer und Stratege. Es war daher nicht ungewöhnlich, dass er kurz nach der Verkündung seiner abermaligen Wiederwahl als Präsident zuerst an die Front zum Truppenbesuch eilte, statt zunächst eine Siegesrede vor seinen Anhängern zu halten.

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