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Tod von Li Wenliang : Politisches Virus

Ein Porträt des verstorbenen Arztes Dr. Li Wenliang in Hongkong Bild: dpa

Lange hatten die Behörden versucht, das Coronavirus und die Warnungen des nun verstorbenen Arztes Li Wenliang zu vertuschen. Das untergräbt die Glaubwürdigkeit der Machthaber. Steuert China nun auf eine politische Krise zu?

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          Der Tod des chinesischen Arztes Li Wenliang verdeutlicht auf tragische Weise, warum eine offene Gesellschaft den Menschen besser dient als autoritäre oder diktatorische Herrschaften jedweder ideologischer Couleur. Denn das Wesen solcher Systeme ist es, unangenehme Nachrichten zu unterdrücken. Bewusste Zensur durch die Mächtigen ist nur ein Grund dafür.

          Der andere ist, dass es sich für untergeordnete Instanzen im Staatsapparat nicht auszahlt, auf Probleme hinzuweisen; wer das tut, läuft Gefahr, als Querulant oder Kritiker angesehen zu werden. Die jeder Organisation innewohnende Neigung, unangenehme Entwicklungen zu verdrängen und/oder zu verschweigen, wird so auf mehrfache Weise verstärkt – mit am Ende oft katastrophalen Folgen.

          Das ist nicht nur jetzt beim Coronavirus so. Es finden sich dafür viele Beispiele in der jüngeren Geschichte, etwa das Reaktorunglück von Tschernobyl 1986: Von der Sowjetunion wurde die Katastrophe erst unter dem Druck westlicher Berichte über erhöhte Radioaktivität eingestanden. Da war schon wertvolle Zeit verlorengegangen, Menschen waren sinnlos hohen Risiken ausgesetzt worden. Das untergrub die Glaubwürdigkeit der Machthaber so sehr, dass das Unglück am Ende einer der Sargnägel der kommunistischen Herrschaft wurde. Wird am Ende das Coronavirus zum Entzündungsherd für das politische System Chinas?

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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