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Exodus der Venezolaner : Die Suche nach einem Rettungsring

Die Wut reicht bis ins Ausland: Im Mai gingen in Madrid Venezolaner gegen Präsident Maduro auf die Straße. Bild: Getty

Nach Spanien sind so viele Venezolaner geflohen wie in kein anderes Land Europas. Viele von ihnen sind hochqualifiziert, aber haben im spanischen System kaum eine Chance.

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          Der Job im Fernsehstudio hat ihr Spaß gemacht. „Es gab 9Euro und dazu ein belegtes Brötchen“, sagt Andreina Monasterio. Die temperamentvolle Frau mit den dunklen kleinen Locken spendete als bezahlte Claquerin Moderatoren Applaus. Eigentlich ist die junge Venezolanerin selbst Journalistin. In der Hauptstadt Caracas arbeitete sie für eine Tageszeitung. Doch dann sorgte die Regierung dafür, dass die regimekritische Zeitung nicht mehr genug Papier erhielt. Ihre Beilage wurde eingestellt, ihre Stelle gestrichen. Sie verkaufte alles, was sie hatte, und brach nach Spanien auf. „Es gibt keinen Weg zurück“, sagt Monasterio und klingt trotzdem nicht verbittert, denn sie hat gelernt, dass es immer irgendwie weitergeht. In Spanien war sie schon Babysitterin, Kellnerin und verkaufte Versicherungen; zur Zeit hütet sie halbtags eine Katze.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Vielen Venezolanern geht es wie ihr. In kein europäisches Land sind so viele Bürger aus dem südamerikanischen Staat geflohen, wie nach Spanien. Die Bilder von überfüllten Schlauchbooten auf der Straße von Gibraltar und von jungen Afrikanern, die den Grenzzaun von Ceuta stürmen, erwecken einen falschen Eindruck: Die meisten Flüchtlinge kommen nicht aus Afrika, sondern landen unauffällig auf dem Flughafen von Madrid. Venezolanern genügt eine Reisepass, um ins Land ihrer einstigen Kolonialherren einzureisen. Für die ersten drei Monate erhalten sie nach der Landung ein Touristenvisum. Doch sie kommen, um zu bleiben. Immer mehr beantragen deshalb politisches Asyl. Bis Mitte August waren es schon 12700 Venezolaner – mehr als im ganzen Jahr 2017 mit insgesamt 10600 Asylbewerbern. Vor vier Jahren hatten nur 120 Venezolaner um einen solchen Schutz gebeten.

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