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Wandel in Usbekistan : Ein neuer Kurs und ein schweres Erbe

Taugt als Touristenattraktion:Szene aus Samarkand, der legendenumwobenen Stadt an der alten Seidenstraße Bild: AFP

Usbekistans Präsident besucht heute Berlin. Er will Investoren und Touristen ins Land locken. Doch das Machtsystem seines Vorgängers ist hartnäckig. Ein Ortsbesuch.

          10 Min.

          Die Frau fegt einen Straßenrand, obwohl es regnet. Sie trägt eine orangefarbene Weste, zieht ihren Reisigbesen ohne Pause über den nassen Asphalt. Verschwindet hinter einer Tanne, taucht wieder auf, fegt, fegt. Die Kamera verfolgt die sinnlose Arbeit eine halbe Stunde, dann beginnt das Video von vorn. Dem unbefangenen Betrachter erschließt sich nicht, was die Beamten der Republik Usbekistan an diesem Beitrag zweier usbekischer Filmemacher zu der Ausstellung „Die Grenze“ so sehr störte, dass sie kurz vor deren Eröffnung in der Hauptstadt Taschkent vorige Woche nachdrücklich forderten, das Werk nicht zu zeigen, da es die Gefühle der Leute verletze.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Aber das Exponat „Geiseln der Ewigkeit“ ist eine versteckte Kritik an Islam Karimow, der Usbekistan bis zu seinem Tod im Spätsommer 2016 mehr als ein Vierteljahrhundert beherrschte. Zweimal am Tag passierte seine Wagenkolonne die Stelle, an der die Frau fegte, um den Putzplan zu erfüllen. Dass die Ausstellung des Goethe-Instituts überhaupt nach Usbekistan kommen konnte, ist bemerkenswert. Das wäre noch vor drei Jahren kaum denkbar gewesen.

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