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Trumps London-Absage : Die merkwürdigen Gründe des Präsidenten

Teurer Kasten: Die neue amerikanische Botschaft in London Bild: AFP

Eigentlich sollte Donald Trump im Februar nach London reisen und die neue amerikanische Botschaft eröffnen. Nun kommt er nicht – offiziell, weil das Gebäude so teuer ist. Doch die Hintergründe sind vielschichtig.

          Donald Trumps geplanter Besuch in Großbritannien entwickelt sich zur unendlichen Geschichte. Eigentlich war erwartet worden, dass der amerikanische Präsident nach langem Hin und Her im Februar zu einem Arbeitsbesuch nach London reist. Der Plan war, dass Trump während dieses Aufenthalts das neue Gebäude der amerikanischen Botschaft an der Themse eröffnet. Doch jetzt machte Trump einen Rückzieher und fand dafür eine überraschende Begründung: Schuld daran sei sein Amtsvorgänger Barack Obama. Er sei „kein großer Fan“ der neuen Botschaft, schrieb Trump auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Obamas Regierung habe das erstklassig gelegene bisherige Botschaftsgebäude für „peanuts“ verscherbelt und gegen ein viel zu teures neues Gebäude „an einem abgelegenen Standort“ eingetauscht. „Wollten, dass ich das Band durchschneide – NEIN!“, schrieb er.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In Großbritannien wird das angeblich nachteilige Immobiliengeschäft freilich als Vorwand gesehen. Trump weiß nur zu gut, dass er im Vereinigten Königreich eine hochumstrittene Figur ist. „Sein Besuch wäre ohne Zweifel von friedlichen Massenprotesten begleitet worden“, kommentierte der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan. Die britische Regierung wollte zu der Absage dagegen nichts sagen.

          Bisher befand sich die Londoner Botschaft der Amerikaner im Nobelstadtteil Mayfair im Westen der Innenstadt. Das im Jahr 1960 errichtete riesige Gebäude wurde mittlerweile an eine Immobiliengesellschaft des Königshauses von Qatar verkauft, die es in ein Luxushotel umwandeln will. Das neue Botschaftsgebäude steht dagegen im Stadtteil Vauxhall, am traditionell weniger prestigeträchtigen Südufer der Themse. Der Umzug ist bereits 2008 während der Amtszeit von George W. Bush bekanntgegeben worden. Mittlerweile haben auch die Niederlande angekündigt, ihre britische Botschaft nach Vauxhall zu verlegen.

          Theresa May muss sich in Geduld üben

          Nach der jüngsten Wendung ist weiter unklar, wann Trump Großbritannien erstmals als Präsident einen Besuch abstatten wird. Die britische Premierministerin Theresa May hat ihn vor einem Jahr als erste ausländische Regierungschefin nach seinem Amtsantritt in Washington besucht. Der Regierung in London galt dies als ein diplomatischer Coup, der die besonders engen Beziehungen beider Länder unterstreiche. Schon damals lud May Trump im Namen der britischen Königin Elisabeth II. offiziell zu einem Staatsbesuch ein. Doch in der britischen Bevölkerung und auch in der Politik gab es heftigen Widerstand dagegen: Eine Rede Trumps im Parlament während des Besuchs sei unerwünscht, stellte Unterhaus-Sprecher John Bercow klar.

          Zuletzt hat auch das Verhältnis zwischen Trump und May gelitten: Im November ist es zu einer offenen Kontroverse zwischen beiden gekommen, nachdem Trump auf Twitter mehrere islamfeindliche Videos der rechtsradikalen Gruppierung „Britain First“ weitergeleitet hatte. In außenpolitischen Fragen hat sich London zuletzt ebenfalls mehrfach von Washington abgesetzt – etwa von Trumps Israel- und Iran-Politik.

          Der jetzt abgesagte Arbeitsbesuch Trumps in London sollte eigentlich als eine Art Zwischenlösung dienen, weil sich die Abstimmungen über einen vollwertigen Staatsbesuch hinziehen. Für den Besuch im Februar soll auch ein Mittagessen Trumps mit Elisabeth II. geplant gewesen sein. Der Amerikaner gilt als großer Bewunderer des britischen Königshauses. Angeblich würde Trump auch gerne eine Einladung zur geplanten Hochzeit des britischen Prinzen Harry mit der amerikanischen Schauspielerin Meghan Markle im Mai erhalten. Im Dezember hat der amerikanische Botschafter in Großbritannien, Robert Johnson, bekräftigt, er rechne fest damit, dass Trump 2018 Großbritannien besuche.

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